Bald lässt die Heideblüte die Gipfel lila leuchten
Willingen. Klein, tiefblau und hocharomatisch: Auf den Willinger Höhen sind die ersten Heidelbeeren reif. Der sonnenreiche Sommer hat die Natur früher geweckt als sonst. Wer jetzt über die Hochheiden wandert, findet die kleinen blauen Schätze gleich am Wegesrand – und für den Eigenbedarf darf jeder pflücken. Ein großes Schauspiel: Schon Ende Juli dürfte die Heideblüte die Gipfel rund um Willingen in sattes Lila tauchen.
Der Geschmack von Sommer
Augen auf, ein kurzer Halt, ein Griff ins Grün – und der Geschmack von Sommer schmilzt auf der Zunge. So einfach beginnt in diesen Tagen das Naschvergnügen. Die Heidelbeeren leuchten tiefblau zwischen dem Grün, und jeder darf für den eigenen Bedarf zugreifen. Am besten packt man ein kleines Körbchen ein, probiert schon unterwegs und nimmt den Rest mit nach Hause – für Pfannkuchen, Marmelade oder einfach pur. Das tiefe Blau der kleinen Früchte verrät ihr Geheimnis: Genau die Pflanzenfarbstoffe, die den Beeren ihre Farbe schenken, gelten als wertvolle Antioxidantien. Dazu kommt eine gute Portion Vitamin C. So schmeckt jede Handvoll nicht nur nach Sommer, sondern tut auch noch gut.
Lebensraum Hochheide – ein seltener Schatz
Die Hochheiden gehören zu Willingen wie die Berge selbst – eine Landschaft, wie es sie nur noch selten gibt. Sie erstreckt sich weitläufig und offen über die Höhen, dort, wo das Klima rau wird: starke Winde, Niederschlag, lange Frostperioden und magere, nährstoffarme Böden prägen viele der Gipfel rund um Willingen. Vom Wind geformte, skurril gewachsene Bäume ducken sich über endlose Teppiche aus Besenheide, Heidel- und Preiselbeersträuchern – karg und schön zugleich. Diese Weite ist kein Werk der Natur allein, sondern das Erbe vieler Generationen. Über Jahrhunderte weideten die Menschen ihr Vieh auf den Höhen, holten sich Streu und Brennholz, sodass der Wald nicht zurückkehren konnte. Genau diese kargen Bedingungen erwecken die heute selten gewordene Pflanzen- und Tierwelt zum Leben – und machen die Hochheide heute zu einem der artenreichsten Lebensräume der Region. Weil die alte Bewirtschaftung längst ruht, halten Naturschützer die Flächen mit gezielter Pflege offen: Sie entfernen junge Gehölze und lassen Schafe weiden. So bleibt der seltene Schatz erhalten. Das bekannteste Beispiel ist die Hochheide „Neuer Hagen“ zwischen Niedersfeld und Willingen. Mit einer Höhenlage zwischen 740 m und 830 m ü. NN. und einer Flächengröße von rund 57 bis 74 Hektar ist sie eine der bedeutendsten Hochheiden Nordwestdeutschlands. Weitere Flächen rund um Willingen prägen die bergige Mittelgebirgslandschaft.
Wenn die Berge lila leuchten
Und dann kommt der große Auftritt. Wenn die Besenheide aufblüht, wechselt die Landschaft die Farbe: Aus dem Blau der Beeren wird ein sattes Lila, das sich über viele Gipfel rund um Willingen legt – violette Weite bis zum Horizont. Es ist die schönste Zeit des Jahres, ein Anblick, der jedes Jahr aufs Neue verzaubert. Wer mitten hinein ins Lila möchte, schnürt bald schon die Wanderschuhe: Dieses Jahr ist die Heide früh dran. Das Schauspiel beginnt voraussichtlich schon gegen Ende Juli und dauert rund vier Wochen.
Erlebnis-Tipp: Naturkino auf 800 Metern
Im Naturkino gibt es statt Popcorn puren Landschaftsgenuss. Auf dem kleinen Wanderweg „s’Ründchen“ rund um den Ettelsberg spielt die blühende Hochheide im Spätsommer die Hauptrolle. Das Naturkino ist ein besonders schöner Ruheplatz und neben „Waldsofas“, Picknickbänken, Massagebäumen und einem Ausblick, der lange unvergessen bleiben wird, ein absolutes Highlight auf dem Rundweg. Am gemütlichsten fährt man mit der Ettelsberg-Seilbahn hinauf, orientiert sich an den Schildern und nimmt sich Zeit für die beste Aussicht des Tages. Wer mag, dreht die ganze Runde: vorbei am Naturkino bis zum größten Stuhl des Sauerlandes, dem beliebten Fotopoint am Wegesende.
Wander-Tipp: Vier Wege mitten hinein ins Lila
Weil es so viele Heideflächen zu erleben gibt, verraten die Willinger Wanderexperten die besten Wege. Vier Routen führen besonders eindrucksvoll durch Beeren und Blüte, jede mit eigenem Charakter. Der U6 zieht über den stillen Osterkopf bei Usseln, der U3 hinauf zum Kahle Pön mit seinem Gipfelkreuz. Auf dem W6 liegt Wanderern die Ettelsberg-Hochheide zu Füßen, und der W9 führt über die windzerzausten Heideflächen des Orenbergs. Alle vier verbindet dasselbe Ziel: die schönsten Eindrücke der Saison. Der Fototipp fürs satteste Lila: die Sonne in den Rücken nehmen, tief in die Knie gehen und einen Pfad oder Heidebusch in den Vordergrund holen. So gewinnt das Bild Tiefe, und die Farbe kommt voll zur Geltung.
Doppeltes Jubiläum – doppelter Grund zum Feiern
Ein Fest mitten in der blühenden Heide – das gibt es nur einmal im Jahr. Am Sonntag, 2. August, wird die Hochheide zur Bühne: Die Hochheidehütte feiert ihr 20-jähriges Bestehen, der Rothaarsteig sein 25-jähriges Jubiläum. Rund um die Hütte warten Live-Musik, regionale Spezialitäten, Mitmachaktionen für die ganze Familie und am Abend ein Open-Air-Kino. Einheimische und Gäste kommen zusammen, wandern gemeinsam und genießen die Aussicht. Der Eintritt ist frei.





















