Entwicklung in der Brustkrebs‐Therapie: Medikamente als Gamechanger

Frankenberg(pm). Im Info‐Café Mutmacher Ende Oktober informierte der ehemalige Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus, Dr. med. Volker Aßmann, über aktuelle Therapien bei der Brustkrebs‐Behandlung. Zunächst blickte er zurück auf seine beruflichen Anfänge vor 40 Jahren. Damals hatten die Ärzte neben Operationen und Bestrahlungen nur wenige pharmakologische Wirkstoffe zur Verfügung. Nur eines der Präparate, zur Unterdrückung der Östrogenproduktion, ist heute noch regelmäßig im Einsatz: „Unsere Möglichkeiten waren sehr begrenzt und die Prognosen für die Frauen waren es auch.“ Seither habe die medizinische Forschung bahnbrechende Ergebnisse geliefert. Er erinnerte sich, dass das Konzept der Kombination von Antikörpern mit Zytostatika bereits vor 40 Jahren entwickelt worden sei. Erst jetzt sei es so weit gediehen, dass es gewinnbringend für die Frauen funktioniere und angewendet würde. In seinem Vortrag ging Dr. Aßmann nun näher auf die verschiedenen pharmakologischen Therapieoptionen ein. Er erklärte die Stoffklassen der Antihormon‐Therapeutika, Zytostatika, zielgerichtete Therapeutika (Antikörper, Inhibitoren, Antikörper‐Wirkstoff‐Konjugate) sowie Immuntherapeutika. Er erläuterte die verschiedenen Funktionsweisen und das Potential der Wirkstoffe. Einige medikamentöse Therapien werden schon vor einer geplanten Operation eingesetzt, andere danach. Häufig wird eine zusätzliche Bestrahlung notwendig.


Gamechanger in der Therapie
Dr. Aßmann hob hervor, dass sich die Chancen der Brustkrebspatientinnen (und in seltenen Fällen auch Patienten) auf Heilung inzwischen bei 90 % liegen. „Ein Wert, von dem noch vor wenigen Jahren niemand zu hoffen gewagt hätte. Einige der neuen Medikamente haben sich als wahre „Gamechanger“ erwiesen. Selbst für Tumore mit sehr negativen Eigenschaften, was die Wachstumsgeschwindigkeit und das Ansprechen auf Zytostatika betrifft, gibt es heute Medikamente, die die Prognose deutlich verbessern. Und die Forschung geht weiter.“
Vorsorge ausgeweitet – Diagnostik verfeinert
Zum Fortschritt in der Brustkrebsbekämpfung trägt neben den neuen Therapeutika aber ebenso der Ausbau der Vorsorge seinen Teil bei. Sowohl das Mammographie‐Screening als auch die Vorsorge beim Gynäkologen sowie das eigene regelmäßige Abtasten der Brust helfen, einen Tumor frühzeitig zu entdecken, was die Prognose generell verbessert. Die bei auffälligem Befund heute standardmäßig durchgeführte Biopsie (Gewebeentnahme) dient nicht nur der Bestimmung der Tumorart und des Gradings (der Wachstumsrate), sondern das entnommene Gewebe wird direkt genutzt, um Tests mit verschiedenen Medikamenten durchzuführen. Dabei wird ermittelt, ob der Tumor z. B. auf eine hormonelle Therapie anspricht. Eine überaus hilfreiche Erkenntnis, die für die Planung der medikamentösen Therapie genutzt wird. Dr. Aßmann betonte: „Treten später erneut Tumore auf, die Metastasen des ursprünglichen Brustkrebses sein könnten, ist eine erneute Biopsie notwendig. Die Tumorzellen können sich verändert haben und es kommt durchaus vor, dass die Metastasen auf eine andere Medikation ansprechen als der ursprüngliche Tumor.“


Gemeinsame Therapieempfehlung im Brustzentrum Regio
Die Behandlungsergebnisse und die Prognosen der Patientinnen werden noch durch eine weitere Maßnahme positiv beeinflusst: den Aufbau von Brustkrebszentren. Das Kreiskrankenhaus Frankenberg ist Gründungsmitglied im Brust-Zentrum Regio, welches im Universitätsklinikum Marburg verankert ist. Hier findet wöchentlich ein Tumorboard statt, in dem der behandelnde Arzt den Fall seiner Patientin mit anonymisierten Daten vorstellt. Teilnehmer an der Konferenz sind die Kooperationskliniken einschließlich der Strahlentherapeuten, Hämato‐Onkologen, Gynäkologen, Psychoonkologen und Radiologen. Diese konzentrierte Expertise der Fachleute bringt eine multidisziplinäre Therapieempfehlung hervor. Damit steht die Behandlung auf qualitativ starken Beinen und kann in vielen Fällen auch in einem kleineren Krankenhaus mit Senologie (Brustheilkunde) durchgeführt werden. Das Kreiskrankenhaus in Frankenberg ist derzeit die einzige Klinik im Landkreis Waldeck‐Frankenberg, die die Zulassung für die chirurgische und medikamentöse Brustkrebsbehandlung innehat. Die kommissarische Leitung der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe hat die erfahrene Fachärztin und Leitende Oberärztin Gabriele Schalk übernommen. Am Ende seines Vortrages resümierte Dr. Aßmann: „Unser Werkzeugkasten für die individuelle und maßgeschneiderte Versorgung unserer Patientinnen ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Wir können sehr viele heilen und bei anderen die Erkrankung dauerhaft unter Kontrolle halten. Die heutigen Medikamente sind in der Mehrheit besser verträglich als frühere Präparate. Wir mussten aber auch viel über neue, teils unerwartete
Nebenwirkungen lernen. Einige mögliche Reaktionen muss man engmaschig überwachen, bei nicht tragbaren Beschwerden können wir oft ein alternatives Präparat empfehlen.“ Mit einer intensiven Fragerunde und dem gemütlichen Austausch der Besucher untereinander endete das Info‐Café.
Nächster Termin Info‐Café Mutmacher
Der nächste und damit letzte Termin des Info‐Café Mutmacher in diesem Jahr ist der 18.11.2025. Diesmal wird der Leiter der Physikalischen Therapie am Kreiskrankenhaus Norbert Schlechter über die Möglichkeiten der Sporttherapie bei Krebserkrankungen referieren. Um Anmeldungen über das Sekretariat der Gynäkologie wird gebeten unter  sekgyn.ambulanz@krankenhaus-frankenberg.de oder 06451 – 55 355.