Dank Ausbildungsinitiative bleibt die Maurer-Berufsschule gesichert
Korbach(pm). Das Handwerk bleibt ein starker Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) waren 2024 rund 342.000 junge Menschen im Handwerk in Ausbildung, rund 28 % aller Auszubildenden bundesweit. Gleichzeitig steht die Bauwirtschaft – besonders beim Nachwuchs – vor Herausforderungen: Die Zahl der Auszubildenden im Bau- und Ausbaugewerbe ist zwischen 2014 und 2024 leicht gesunken, während der Bedarf an qualifizierten Fachkräften hoch bleibt. In Hessen waren 2024 über 24.300 Auszubildende im Handwerk gemeldet, verteilt auf mehr als 78.000 Betriebe. Im Landkreis Waldeck-Frankenberg tragen Ausbildungszahlen und regionale Ausbildungsbereitschaft maßgeblich zur Sicherung der Berufsschulstandorte bei. In der Grundstufe werden derzeit im Lehrbauhof Korbach 8 Maurer (Hochbaufacharbeiter), 3 Fliesenleger, 17 Straßenbauer (Tiefbaufacharbeiter), 1 Rohrleitungsbauer und 1 Stuckateur gemeinsam ausgebildet. Im Lehrbauhof Frankenberg absolvieren aktuell 11 angehende Maurer (Hochbaufacharbeiter), 12 Zimmerer, 1 Fliesenleger und 2 Straßenbauer (Tiefbaufacharbeiter) ihre Grundstufenausbildung.
Die Grundstufe bildet den gemeinsamen Einstieg ins Bauhandwerk: Alle Bauberufe werden im 1. Ausbildungsjahr zusammen unterrichtet, wodurch stabile Klassen entstehen. Die eigentliche Herausforderung beginnt ab dem 2. Ausbildungsjahr, wenn die fachliche Trennung erfolgt. Die Maurer und hochbaunahen Berufe werden in Frankenberg an der Hans-Viessmann-Schule beschult, während die Tief- und Straßenbauer an den Beruflichen Schulen Korbach und Bad Arolsen verbleiben. Bis kurz vor den Sommerferien war der Berufsschulstandort für die Maurer ab dem 2. Lehrjahr nicht gesichert. Erst durch zusätzliche Ausbildungsplätze und eine gezielte Ansprache potenzieller Auszubildender durch die Betriebe konnte die notwendige Schülerzahl erreicht und der Standort langfristig erhalten werden. Ulrich Mütze, Obermeister der Innung für das Bauhandwerk Waldeck-Frankenberg, ordnet die Situation fachlich ein: „Wir sprechen hier nicht über kurzfristige Schwankungen, sondern über die Zukunftsfähigkeit des Bauhandwerks. Prognosen zeigen, dass der Bedarf an Fachkräften im Hoch- und Tiefbau mindestens bis 2026 hoch bleibt – unter anderem durch Wohnungsbau, Sanierungen, Infrastrukturmaßnahmen und energetische Modernisierung. Wenn wir heute nicht ausbilden, fehlen uns morgen die Fachkräfte auf den Baustellen. Dass wir den Berufsschulstandort ab dem zweiten Ausbildungsjahr sichern konnten, ist deshalb ein entscheidender Schritt für die regionale Bauwirtschaft.“
Auch Kai Bremmer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg, betont die strukturelle Bedeutung: „Die enge Verbindung von Ausbildung, Berufsschulstandorten und regionaler Wirtschaftskraft wird hier sehr deutlich. Der Erhalt der Beschulung in Korbach und Frankenberg bedeutet kurze Wege, Planungssicherheit für Betriebe und verlässliche Rahmenbedingungen für Auszubildende. Gerade für einen ländlich geprägten Landkreis ist das ein wichtiger Standortfaktor.“
Forderungen des Handwerks zur Kommunalwahl 2026
Mit Blick auf die Kommunalwahl 2026 formuliert das Bau- und Ausbauhandwerk klare Erwartungen an die Politik. Ulrich Mütze betont: „Ausbildung muss kommunal mitgedacht werden. Wohnortnahe Berufsschulstandorte sind ein zentrales Anliegen des Handwerks. Darüber hinaus brauchen wir verlässliche öffentliche Investitionen in Schulen, Straßen, Brücken und kommunale Gebäude – auch bei Haushaltsdruck. Bauinvestitionen dürfen nicht ausgesetzt werden, wenn wir Fachkräfte sichern wollen.“ Kai Bremmer ergänzt:
„Das Handwerk erwartet faire und regionale Vergabeverfahren, bei denen heimische Betriebe bei öffentlichen Aufträgen stärker berücksichtigt werden. Wichtig sind außerdem Mobilität und bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende sowie die Gleichwertigkeit der Meisterqualifikation zur akademischen Ausbildung. Handwerkliche Bildungszentren und Berufsschulen müssen gleichwertig gefördert und fest in regionale Bildungskonzepte eingebunden werden.“ Das Bauhandwerk bietet jungen Menschen weiterhin stabile und langfristige Perspektiven – von der dualen Ausbildung über Weiterbildungen zum Vorarbeiter, Polier oder Meister bis hin zu weiterführenden Bildungswegen.
📊 Zahlen im Überblick
Deutschland (2024):
• ca. 342.000 Auszubildende im Handwerk
• rund 28 % aller Auszubildenden bundesweit im Handwerk
Hessen (2024):
• über 24.300 Auszubildende im Handwerk
• mehr als 78.000 Handwerksbetriebe
Waldeck-Frankenberg – Grundstufe Bauhandwerk (1. Lehrjahr):
Korbach (Berufliche Schulen Korbach & Bad Arolsen):
• 8 Maurer (Hochbaufacharbeiter)
• 17 Straßenbauer (Tiefbaufacharbeiter)
• 3 Fliesenleger
• 1 Rohrleitungsbauer
• 1 Stuckateur
Frankenberg (Hans-Viessmann-Schule):
• 11 Maurer (Hochbaufacharbeiter)
• 12 Zimmerer
• 1 Fliesenleger
• 2 Straßenbauer (Tiefbaufacharbeiter)





