Cannabis in der Medizin: Fortbildungsveranstaltung des Stadtkrankenhaus

Korbach(pm). Welchen Stellenwert Cannabis in der Medizin hat zeigte die gut besuchte Fortbildungsveranstaltung des Stadtkrankenhaus Korbach, die aufgrund der hohen Teilnehmerzahl kurzfristig in die Stadthalle verlegt werden musste. Auf Einladung des Chefarztes für Anästhesie und operative Intensivmedizin, Matthias Hentrich, hatten sich rund 200 interessierte Ärzte und medizinsiches Personal aus der Region angemeldet. Unter dem Titel „Cannabis in der Medizin: Eine vielversprechende neue Therapieoption“ führte Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander durch das Thema. „In Deutschland ist die mediale Berichterstattung über die Teillegalisierung von Cannabis mit viel öffentlicher Kritik verbunden. Dabei hilft die Heilpflanze als Medikament bereits zehntausenden schwerkranken Menschen. Die neue Gesetzeslage erleichtert Patienten den Alltag erheblich“, begründet Chefarzt Matthias Hentrich seine Einladung zu Fortbildungsveranstaltung. Patienten mit schwerwiegenden Erkrankung haben seit 2017 Anspruch auf medizinisches Cannabis, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Seit 2024 dürfen Haus- und Fachärzte Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten beziehungsweise Fertigarzneimittel als E-Rezept verordnen. Durch das am 1. April 2024 in Kraft getretene Cannabisgesetz habe sich der Alltag zehntausender Cannabis-Patienten bereits jetzt zum Positiven verändert: Medikamente mit Wirkstoffen aus der Cannabispflanze fallen nicht länger unter das Betäubungsmittelgesetz. Das mache die Verschreibung deutlich einfacher. „Was unseren Patienten mit chronischen Schmerzen Hoffnung bringt, sorgt auf der medizinischen Seite jedoch vielfach auch für Fragezeichen. Für wen ist Cannabis geeignet? Was muss dabei beachtet werden? Um Antworten auf diese Fragen geben zu können, haben wir die Fortbildungsveranstaltung initiiert“, so Hentrich.

In seinem Fachvortrag ist Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander auf verschiedene Fallbeispiele eingegangen und hat den aktiven Dialog mit den Anwesenden gesucht. Viele offene Fragen konnten so beantwortet werden. Medizinisches Cannabis könne beispielsweise helfen, Spastiken bei Multipler Sklerose zu lösen. Aber auch bei chronischen Schmerzpatienten mit Rückenschmerzen, rheumatische Erkrankungen oder entzündliche Prozessen im Darm, posttraumatische Belastungsstörungen, psychische Erkrankungen, Tinnitus, Depressionen, Schlaf- oder Angststörungen könne Cannabis Entlastung bringen. „Das Cannabis-Gesetz kann dazu beitragen, dass künftig mehr Schwerkranke von den Vorteilen einer Cannabis-Therapie profitieren“, so Dr. Cimander. „Denn die Heilpflanze kann bei vielen verschiedenen Krankheitsbildern zum Einsatz kommen, wird aber oft erst verschrieben, wenn konventionelle Ansätze erfolglos verliefen. Ein Aspekt, der in der aktuellen Berichterstattung über das Cannabis-Gesetz kaum Beachtung findet.“ Die imAnschluss des Vortrags geführte Diskussion mit den anwesenden Ärzten der Region sowie med. Fachpersonal veranschaulichte, dass längst nicht alle Fragen zum Einsatz von Cannabis in der Medizin geklärt sind. So enthält die Cannabispflanze über 500 verschiedene Substanzen, wobei mehr als 100 verschiedene sogenannte Phytocannabinoide gefunden wurden. Die bekanntesten hiervon sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Es handelt sich hierbei um chemisch unterschiedliche Substanzen, die im Körper auch ein unterschiedliches Wirkungsprofil aufweisen. Derzeit ist noch nicht hinreichend geklärt, für welche Erkrankungen welche Präparationen am besten geeignet sind. Die Palette der möglichen Therapieformen erreicht von reinen THC- oder CBD- Präparaten über Mischpräparate aus beiden bis zu Extrakten aus Blüten unterschiedlicher Cannabissorten. Leider gibt es in Deutschland aktuell noch keine klaren wissenschaftlichen Richtlinien über die Einzelfall geeignete Therapie. Es ist zu erwarten, dass Studien in den nächsten Jahren hier Klarheit schaffen werden.

Diskussion mit Ärzten und medizinischem Personal. Foto: Stadtkrankenhaus Korbach

Zur Person: Dr. Konrad Cimander
Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander hat sich auf den Gebieten der Suchtmedizin, der Infektiologie und der Cannabismedizin einen Namen gemacht. Er studierte Chemie und Humanmedizin an der WWU in Münster, wo er auch seine Promotion in der Hand- und Unfallchirurgie abschloss. In seiner beruflichen Laufbahn war Dr. Cimander über neun Jahre in der Forschung und Entwicklung neuer psychoaktiver Medikamente in der pharmazeutischen Industrie leitend tätig. Im Jahr 1993 gründete Dr. Cimander das Kompetenzzentrum für Suchtmedizin, Infektiologie und Cannabismedizin, welches er bis 2023 leitete. 2017 gründete er das ausschließlich auf Cannabismedizin ausgerichtete Kompetenzzentrum K.C.M. Hannover. Seine akademischen Beiträge sind bemerkenswert: Er war von 1996 – 2005 Lehrbeauftragter der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) für das Fach Allgemeinmedizin. Seit über 14 Jahren hält er bis heute an der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen (UMG) Vorlesungen zu den Themen Suchtmedizin, Psychopharmakologie, Prävention und seit 2017 auch zu Cannabismedizin. Darüber hinaus engagierte sich Dr. Cimander aktiv in verschiedenen medizinischen Verbänden, in der berufspolitischen Selbstverwaltung und der Politik. Von 2005 – 2019 war er Vorsitzender des Landesfachausschusses Soziales, Familie und Gesundheit der FDP in Niedersachsen und von 2005 – 2021 Mitglied des Bundesfachausschusses Gesundheit der FDP in Berlin. Er ist Gründungsmitglied und seit 2022 Präsident der Deutschen Medizinial-Cannabis Gesellschaft (DMCG e.V.), wo er eine zentrale Rolle bei der Förderung der Akzeptanz gegenüber der Cannabismedizin spielt. Diese Kombination aus klinischer Praxis, Forschung und pädagogischem Engagement unterstreicht Dr. Cimanders vielseitigen Einfluss auf den medizinischen Bereich, insbesondere bei der Integration und Akzeptanz von Therapien auf Cannabisbasis in Deutschland.

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