Hochwasser und Überschwemmungen – Wiederkehrzeit nach „Magdalenenflut“ erreicht?

Klimawandel erhöht Risiko
Von Landrat Dr. Reinhard Kubat. Was haben der Juli 1342 und der Juli 2021 gemeinsam? Glücklicherweise nicht genau dasselbe
Ereignis, aber doch ein gleichartiges Geschehen: Wahre Wasserfluten stürzten in den letzten Tagen aus dem Himmel auf die Erde hinab, Überschwemmungen und Hochwasser in den Flüssen waren die Folge. Und genau so war es auch vor fast 680 Jahren, rund um
den St. Magdalenentag am 22. Juli 1342, nach dem das Hochwasser „Magdalenenflut“ benannt wurde.

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Eine Woche lang, vom 19. Juli beginnend in Franken bis zum 25. Juli mit dem Erreichen der Nordseeküste, zog eine schwere Regenfront über Mitteleuropa hinweg, ließ schmale Bäche, Flussläufe und breite Ströme gleichermaßen anschwellen und bescherte auch Deutschland die größte Hochwasserkatastrophe im 2. Jahrtausend unserer Zeitrechnung. Noch heute sind die Folgen der „Magdalenenflut“ rings um uns herum sichtbar, so zum Beispiel in den Mooren des Burgwalds, wo Spuren der damals eingeschwemmten Böden weiterhin zu finden sind.

Hochwassermarken am Packhof zu den Hochwassern in Hann. Münden am Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser. Die oberste Markierung zum 24. Juli 1342 ist der Pegelstand des Magdalenenhochwassers.V on Axel Hindemith – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11809056

Warum spreche ich dies an, warum komme ich auf etwas längst Vergangenes zurück, wenn wir durch die starken Regenfälle dieser 28. Kalenderwoche doch ganz andere Probleme haben, Keller auspumpen müssen, Schlammablagerungen beseitigen oder die Schäden
auf Getreidefeldern sichten? Ganz einfach um bewusst zu machen, dass es schlimme Hochwasser schon von jeher gibt, Flutkatastrophen immer wieder vorkommen können und werden, in den letzten 20 Jahren die sogenannten Jahrhunderthochwasser allerdings merklich häufiger aufgetreten sind. Denn durch den Klimawandel mit seiner spürbar wärmeren, viel Feuchtigkeit aufnehmenden Luft erhöht sich das Risiko für stärkere Regenfälle. Droht uns also eine neue „Magdalenenflut“, haben wir die Wiederkehrzeit eines derart epochalen Hochwassers erreicht?

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Dahingehend können wir sicherlich beruhigt sein – eine solche Flutkatastrophe mit zehntausenden Opfern wird es wohl kaum erneut geben. Zum einen haben sich die landschaftlichen Voraussetzungen in den vergangenen 680 Jahren stark verändert. Damals waren die
Wälder durch Abholzung auf 10 – 15 Prozent der Gesamtfläche geschrumpft, Bodenerosion somit leichter möglich; heutzutage ist Deutschland zu einem Drittel von Wald bedeckt. Flüsse waren noch nicht begradigt oder verbaut, die überwiegend bewohnten Auen also ohne Schutz vor großräumigen Überschwemmungen; in unserer Zeit könnte sich das Wasser dagegen nicht mehr so verheerend ausbreiten wie im Jahr 1342. Zum anderen stehen uns Menschen des 21. Jahrhunderts meteorologische Warnsysteme zur Verfügung und wir können technische Hilfsmittel höchster Qualität nutzen, um gegen die Wassermassen vorzugehen. Eine hohe Opferzahl oder der Verlust von 13 Milliarden Tonnen Boden wie bei der „Magdalenenflut“ dürfte also so gut wie ausgeschlossen sein.

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Nicht aber, und das ist ebenso bedauerlich wie erschreckend, das Auftreten weiterer Hochwasser und Überschwemmungen, auch wenn es darüber durchaus unterschiedliche Meinungen wissenschaftlicher Fachleute aus dem hydrologisch-geographischen Bereich gibt. In erster Linie ist jedenfalls eine hohe Niederschlagsmenge für Überflutungen verantwortlich und die Regenintensität hat in den letzten beiden Jahrzehnten in Verbindung mit dem Klimawandel nachweislich zugenommen. Umstritten ist zwar auch die Wiederkehrzeit eines Jahrtausendhochwassers wie der „Magdalenenflut“, die Prognosen reichen von 700 bis 10.000 Jahre. Doch müssen wir hierbei auf die Definition des Begriffes achten: Die Wiederkehrzeit besagt lediglich, dass ein Ereignis in dem genannten Zeitraum mindestens einmal vorkommen wird. Sie schließt keinesfalls einen jährlichen Auftritt des Ereignisses aus.

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Das wollen wir selbstverständlich nicht hoffen, sollten jedoch wachsam bleiben, auf die Zeichen unserer Lebensgrundlage Natur achten und mit unserem Verhalten dazu beitragen, die regenbegünstigende Erderwärmung nicht noch schneller voranzutreiben. Oder anders gesagt, wir müssen uns auch solcher Folgen des Klimawandels wie in immer kleineren Abständen auftretenden Jahrhunderthochwassern bewusst sein und verstärkt etwas gegen den Klimawandel tun. Damit es in den Geschichtsbüchern später nicht einmal heißen wird: „Welche epochale Katastrophe die Magdalenenflut für das Mittelalter war, wiederholte sich in den Hochwassern der 2020er Jahre für das 3. Jahrtausend.“

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