Kleine Kobolde flattern nachts wieder

NABU Hessen: So unterstützen Sie Fledermäuse optimal
Wetzlar(pm). Während die ersten Knospen und Blüten an den Zweigen austreiben, Kraniche, Störche und Schwalben nach und nach aus dem Süden zurückkommen, erwachen langsam auch die einzigen fliegenden Säugetiere aus ihrem Winterschlaf: Fledermäuse. “Jetzt ist die Zeit, wo die Fledermäuse aktiv werden, aus dem Winterschlaf erwacht sind und von den Winterquartieren in ihre Sommerquartiere umziehen”, erklärt Petra Gatz, Fledermausexpertin beim NABU Hessen.

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Wenn es wärmer wird, werden auch die Beutetiere der Fledermäuse, die Insekten, wieder aktiv. Sobald Käfer und Co. wieder über den Waldboden rascheln und kleine Mücken über den Wasseroberflächen schwirren, ist der Tisch der Fledermäuse wieder gedeckt. Die erste Devise der Fledermäuse ist es dann, die im Winter aufgebrauchten Fettreserven wieder aufzufüllen und nach der langen Lethargie wieder zu Kräften zu kommen. Besonders für ziehende Fledermausarten wie zum Beispiel Abendseglern, welche mehrere Hundert Kilometer zwischen den Winter- und Sommerquartieren zurücklegen, eine Herausforderung. „Diese wenigen Zentimeter kleinen Tiere kommen geschwächt und abgemagert aus dem Winterschlaf, sind dann jede Nacht dauerhaft auf Nahrungssuche und bewältigen zusätzlich noch über 1.000 km Strecke, um zu ihren Quartieren zu kommen!“, gibt Gatz zu bedenken. Wenn sie nicht gleich ausreichend Nahrung finden, seien sie so entkräftet, “dass sie nicht mehr weiterfliegen können und auf dem Boden liegen oder frei an einer Wand oder einem Baum hängen”, teilt der NABU mit. Der verhältnismäßig kühle April mit nur wenig Insekten war für die Fledermäuse eine echte Herausforderung in Sachen Energiesparen und Überleben. Ob dies auch Auswirkungen auf den Zeitpunkt der Geburten haben wird kann muss man abwarten. Diese beginnen in der Regel Ende Mai/ Anfang Juni.

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Entkräfteten Fledermäusen richtig helfen

“Wird eine Fledermaus tagsüber an einer offen zugänglichen Stelle gefunden, kann man davon ausgehen, dass sie Hilfe benötigt”, so die Fledermausexpertin Gatz. Dafür versieht man eine kleine Pappschachtel mit Luftlöchern, zerknülltem Küchenpapier zum Verstecken und einem Schraubdeckel mit Wasser. Dann setzt man die Fledermaus mit Hilfe von Handschuhen oder einem Handtuch vorsichtig hinein und verschließt die Schachtel ausbruchsicher mit Klebeband. Anschließend nimmt man schnellstmöglich Kontakt mit der bundesweiten Fledermaushotline unter 030-284984-5000 auf und lagert die Fledermaus bis zur Übergabe an kühler Stelle.

So werden Balkon und Garten zum Fledermausbuffet

Fledermäuse fühlen sich am wohlsten in einem naturnahen, vielfältig gestalteten Garten mit reichlich Insekten. Je artenreicher der Garten, desto mehr Insekten tummeln sich dort. Statt Kirschlorbeer oder einer blickdichten Thujahecke sollten daher heimische Gehölze wie Holunder, Weißdorn und Hundsrose gepflanzt werden. „Ein giftfreier Garten versteht sich für Fledermausfans natürlich von selbst. Denn ohne Insekten, keine Kobolde der Nacht“, sagt die Fledermausexpertin. Nachtblühende, nektarreiche Blütenpflanzen, zum Beispiel gewöhnliches Leimkraut, Seifenkraut und Wegwarte, sind ein Feinschmeckerlokal für die Tiere. Durch ihren intensiven Duft locken die Pflanzen Nachfalter an, die Lieblingsspeise vieler Fledermausarten. „Eigentlich helfen aber auch schon Küchenkräuter, die wir selbst gerne nutzen und für die auf jedem Balkon Platz ist“, empfiehlt Gatz. So freuen sich viele Insekten und damit auch die Fledermäuse über Borretsch, Minze, Zitronenmelisse, Salbei oder Schnittlauch. Auch Wasser zieht viele Insekten an – und bietet Fledermäusen so einen reich gedeckten Tisch. Wer also kann, sollte über einen Gartenteich nachdenken.

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Fledermäusen Wohnraum bieten

Die Mehrzahl der in Hessen vorkommenden Fledermausarten ist gebäudebewohnend und findet immer weniger geeignete Quartiere. Daher sind sie auf Quartiere im menschlichen Umfeld angewiesen. „Wer den Fledermäusen etwas unter die Flügel greifen möchte, kann ganz einfach ein Fledermausquartier am Haus oder im Garten installieren“, rät Petra Gatz. Denn natürliche Quartiere wie zum Beispiel Baumhöhlen werden immer seltener und auch durch Gebäudesanierungen und Dämmmaßnahmen gehen viele Spaltenquartiere verloren. Mit der Installation eines Fledermausbretts oder eines Höhlenkastens kann man den Fledermäusen ein Plätzchen anbieten, an dem sie in aller Ruhe von den nächtlichen Strapazen erholen und den Tag entspannt verschlafen können. „Fledermäuse sind sehr angenehme Untermieter, machen keinen Lärm und richten keine Schäden an der Bausubstanz an. Lediglich kleine Hinterlassenschaften verraten ihre Anwesenheit am Haus. Diese gelten jedoch als hervorragender Pflanzendünger“, so Gatz. Fledermäuse bringen Hausbesitzern auch einige Vorteile. So vertilgen sie z.B. bis zu 4.000 Mücken pro Nacht und zeigen, wo das Lebensumfeld noch intakt ist. Das Anbringen von Fledermausquartieren ist auch bei Renovierungs-Arbeiten an Häusern problemlos durchführbar. Nur wenige Maßnahmen reichen schon aus, um dem faszinierenden Flugsäuger zu helfen.

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Fledermausfreundliche Häuser für Hessen

Der NABU Hessen zeichnet Personen aus, die sich im Fledermausschutz einsetzten, in dem sie bestehende Quartiere erhalten oder neue anbieten. In Hessen gibt es schon über 1.200 fledermausfreundliche Häuser, überwiegend sind das private Wohnhäuser aber auch öffentliche Gebäude wie zum Beispiel das Marburger Schloss, die Jugendburg Hessenstein, das Stadthaus Lorsch, das Schlosshotel Wolfsbrunnen, die Kasseler Werkstatt und die Zehntscheune Züschen.

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