Rebhühner im Schwalm-Eder-Kreis dank Feldflurprojekt weiter auf Erfolgskurs

Kassel/Bad Zwesten(pm). Seit dem Jahr 2018 gibt es in Hessen mehrere Feldflurprojekte zur gezielten Förderung bedrohter Tier- und Pflanzenarten der offenen Kulturlandschaft. Weiträumig um Bad Zwesten im Schwalm-Eder-Kreis, im dortigen Offenland, besteht ein solches Projekt seit August 2018. Anfang 2019 erhielt dieses Projekt eine eigene Koordinationsstelle durch den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), um gezielt mögliche Teilnehmende zu beraten und vorhandene Förderinstrumente einzusetzen – mit Erfolg: Das aktuelle Monitoring zeigt einen Rebhuhn-Bestandszuwachs von etwa 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die LLH-Koordinationsstelle verbindet alle Beteiligten und führt zu einer engen und effektiven Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Kassel, dem Amt für Landwirtschaft und Landentwicklung und der unteren Naturschutzbehörde des Schwalm-Eder-Kreises sowie der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Kommunen, Jägerschaft, Imkerbetrieben und der interessierten Bevölkerung.

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Wiederkehrende Monitorings überprüfen Wirksamkeit

Vor Beginn des Feldflurprojektes im Jahr 2018 wurde ein Ausgangsbestand von lediglich 8 Rebhuhn-Brutrevieren durch Ornithologen im Gebiet um Bad Zwesten nachgewiesen. Seitdem konnte der Bestand durch lebensraumverbessernde Maßnahmen deutlich angehoben werden. Das inzwischen dritte Monitoring zur Wirkungskontrolle der umgesetzten Maßnahmen im Auftrag des Regierungspräsidiums Kassel legt den Schwerpunkt auf die Entwicklung des vorhandenen Rebhuhnbestandes. Auch wenn das Projekt im Schwalm-Eder-Kreis maßgeblich auf die Förderung des Rebhuhns abzielt, profitieren von den Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume der Kulturlandschaft auch viele weitere Vogelarten des Offenlandes wie z.B. Feldlerche, Goldammer, Dorngrasmücke und Wiesenschafstelze. Auch die Feldhasen freuen sich über blühende Brachflächen, Säume und niedrige Hecken. Durch die gut vernetzte Projektkoordination können viele unterschiedliche Maßnahmen effektiv miteinander kombiniert werden: mehrjährige strukturierte Blühflächen, geeignete Greening-Maßnahmen, HALM-Blühflächen, Ackerwildkrautschutz, Stehenlassen von Grasstreifen auf Grünland, späte und reduzierte Mahd von Säumen und Wegrändern, fachgerechte Heckenpflege. Alle diese Maßnahmen sind ganz speziell auf die Bedürfnisse der Feldvögel ausgerichtet.

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Entwicklung der Rebhuhnbestände im Projektgebiet

Während das vorangegangene Monitoring aus dem Jahr 2019 bereits etwa 45 Rebhuhnvorkommen im Projektgebiet nachweisen konnte, zeigt die aktuelle Untersuchung eine weitere Steigerung auf inzwischen 53 nachgewiesene Vorkommen. Aufgrund der zurückgezogenen Lebensweise konnten vermutlich nicht alle Vorkommen vollständig erfasst werden, so dass der tatsächliche Bestand sogar noch etwas höher geschätzt wird. Im Vergleich zum Vorjahr kann somit eine Zunahme von etwa 20 Prozent des Rebhuhnbestandes im Feldflurprojekt um Bad Zwesten verzeichnet werden. Besonders erfreulich ist die große Anzahl erfolgreich aufgezogener Küken je Familienverband (Kette): Im hessischen Durchschnitt schaffte es eine Kette, 6 Jungtiere aufzuziehen. Dagegen lag im Projektgebiet Bad Zwesten die Zahl der aufgezogenen Junghühner im Jahr 2019 bereits bei 8 und im vergangenen Jahr 2020 sogar bei stolzen 11 Junghühnern je Familienverband – somit waren die Brutpaare um Bad Zwesten fast doppelt so “erfolgreich” wie im hessischen Durschnitt.

Rebhuhn-Jungvögel. Foto LLH/Andrea Imhäuser

Warum sind die Rebhuhn-Blühflächen so wertvoll?

Die Rebhuhn-Blühflächen unterscheiden sich erheblich von den üblichen landwirtschaftlichen Blühflächen, da sie einerseits mehrjährig auf der gleichen Ackerfläche angelegt werden und andererseits durch ihre jährlich wechselnde, halbseitige Bewirtschaftung eine besondere Struktur erhalten. Durch diese Bewirtschaftung entstehen nah beieinanderliegend sowohl Bruthabitate als auch gute Möglichkeiten zur Nahrungssuche. Da die Küken in ihren ersten Lebenswochen ausschließlich Insekten als Nahrung benötigen, ist es für ihr Überleben entscheidend, dass sie genügend Insekten vorfinden. Um dies zu gewährleisten sind die Pflanzenarten der Rebhuhn-Blühmischung gezielt so gewählt, dass sie für Insekten attraktiv, gleichzeitig über Pflanzenteile wie Blätter und Samen als Nahrung für die erwachsenen Rebhühner verfügen. Ein weiterer großer Vorteil dieser Blühbrachen liegt darin, dass sie auch im Winterhalbjahr noch genügend Deckung und Versteckmöglichkeit bieten, da eine der beiden Flächenhälften immer mit altem, vorjährigen Bewuchs bis zum kommenden Frühling stehen bleibt. Das Vorhandensein solcher Strukturen dürfte wohl auch dafür verantwortlich sein, dass der kurze aber harte Wintereinbruch Anfang Februar dieses Jahres einigermaßen verlustarm an den Rebhühnern im Projektgebiet vorübergegangen ist. Bei diesem Wintereinbruch waren die tiefen Frosttemperaturen für die Feldhühner kaum von Bedeutung; gefährlich hingegen war für sie die hohe Schneelage, die einerseits ihre gute Tarnung zunichtemachte und andererseits die Futtersuche am Boden erheblich erschwerte bzw. unmöglich machte.

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Ausblick

Inzwischen konnten sich im Umkreis des Feldflurprojektes mehrere kleine Projekte bilden. Sie profitieren von den Erfahrungen sowie der Beratung der Projektkoordinatorin. Erstmals wird im Laufe dieses Jahres ein Insekten-Monitoring an den Rebhuhn-Blühflächen im Projektgebiet durchgeführt. Weitere interessierte Landwirtinnen und Landwirte sind herzlich eingeladen, mit ihren Ackerflächen und Ideen den Schutz der Rebhühner und Feldvögel aktiv zu unterstützen und weiter zu entwickeln. Die teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte sind die wichtigsten Akteure in solchen Vorhaben – ohne ihre Teilnahme wäre der erfolgreiche Rebhuhn-Schutz nicht möglich und die einst häufige Art der Feldflur würde sehr bald vollständig aus unserer Kulturlandschaft verschwunden sein.

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