Landrat Dr. Reinhard Kubat: Gedenken an die Opfer der Amokfahrt von Volkmarsen

Korbach(pm). Ein Jahr ist es jetzt genau her, dass 150 fröhliche und feiernde Menschen beim Rosenmontagszug in Volkmarsen von einem Amokfahrer vorsätzlich angegriffen und zum Teil schwer verletzt wurden. Viele der Opfer leiden noch heute unter den Folgen der Tat und werden diese Last vielleicht zeitlebens mit sich tragen. Es hätte ein Tag der Freude und des ausgelassenen Feierns werden sollen, der Höhepunkt der Karnevalssaison, aber es wurde ein Tag des Grauens. Mit so etwas hätte niemand gerechnet, nicht bei uns. Terroranschläge in London, Paris oder Berlin, in anderen Metropolen, darauf war man zumindest eingestellt. Aber doch nicht bei uns im beschaulichen und ländlichen Nordhessen! Aber genau uns hat es getroffen. Warum, weiß niemand, der Täter schweigt noch immer über die Motive seiner Wahnsinnstat. Ich war vor einem Jahr beim Rosenmontagszug in Volkmarsen. Nicht direkt vor Ort, dort, wo sich das Unvorstellbare abgespielt hat, aber ich bin sofort dorthin geeilt, nachdem sich die Schreckensbotschaft verbreitet hatte. Noch immer denke ich an die entsetzen und fassungslosen Gesichter der Menschen, die Augenzeugen der Tat waren, darunter auch viele Kinder. Ich erinnere mich an die Ratlosigkeit, an die Verzweiflung, die dann bei vielen in Wut und Zorn umschlugen. Ich erinnere mich aber auch an die Rettungskräfte, die sofort im Einsatz waren, ich erinnere mich an die Verstärkungen, die unmittelbar nach dem Geschehen aus dem Landkreis, aber auch aus den Nachbarkreisen herbeieilten. Diese schnelle Hilfe hat sicher dazu beigetragen, dass wir keine Todesopfer zu beklagen haben. Dafür wenigstens sind wir dankbar. Ich habe gesehen, wie die Hilfeleistenden wieder Struktur in das Chaos gebracht haben, wie sie den Menschen vermitteln konnten, dass wieder so etwas wie Sicherheit und Ordnung zurückkehrten. Das war ganz wichtig in dieser Situation und ich denke mit Respekt und Dankbarkeit an all diejenigen, die sich so selbstlos in den Dienst ihrer Mitmenschen gestellt haben. Aber wie können wir mit dem Geschehenen umgehen, welche Erkenntnisse können wir daraus ziehen? Zunächst einmal die, dass es in einer offenen und toleranten Gesellschaft keinen 100-prozentigen Schutz vor derartigen Terrorakten geben kann. Das macht das Handeln der Täter noch verwerflicher, die Freiheit und Freizügigkeit missbrauchen, um Schmerz und Tod zu bringen. Wir können uns bis zu einem gewissen Grad dagegen wehren, aber wir können den Attentätern auch zeigen, dass wir zusammenstehen, dass wir uns von ihnen nicht einschüchtern und manipulieren lassen. Genau das tun wir mit dieser Gedenkveranstaltung. „Wir sind mehr“, das ist die Botschaft, die wir aussenden, wir stehen zusammen und wir werden Freiheit und Demokratie gegen alle Angriffe verteidigen. Wir sind eine offene, freie, tolerante
und pluralistische Gesellschaft und wir werden diese Werte hochhalten und verteidigen. An diesem Jahrestag sind meine Gedanken bei den Opfern, die noch immer unter den traumatischen Erfahrungen des Rosenmontags 2020 leiden. Sie sollen wissen, dass sie nicht alleine sind und dass wir alles tun werden, um ihnen wieder den Weg ins Leben zu ebnen. Ich danke denjenigen, die damals erste Hilfe geleistet und das Schlimmste verhindert haben. Ebenso all denen, die sich noch heute um das Wohl der Opfer kümmern und sie nicht alleine lassen. Vor allem die Familien, die Freundeskreise und die professionellen Beistände. Wir fordern eine Aufklärung des Verbrechens und eine Bestrafung des oder der Täter und
wir machen deutlich, dass wir als Gesellschaft solidarisch sind und uns nicht auseinanderdividieren lassen. Die Gedenkveranstaltung, an der alle Menschen via Internet teilnehmen können, soll eine Botschaft transportieren: Hass, Verblendung und Intoleranz haben bei uns keine Chance!

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