51 Jahre Wildtierpark Edersee: Akrobaten der Lüfte über dem See

Von Besuchern oft fotografiert: Ludger Kluthausen und Uhu Heinrich während einer Flugschau im Jahr 2000. (Reprofoto: Uli Klein)

Greifenwarte bewirkt signifikanten Anstieg der Besucherzahlen
Hemfurth-Edersee(von Uli Klein). Die Eröffnung einer privat betriebenen Greifenwarte vor 24 Jahren bewirkte eine bis heute anhaltende Attraktivitätssteigerung des Wildtierparks und einen stetigen Anstieg der Besucherzahlen. Vorausgesetzt das Pandemie-Ereignis lässt es zu, finden dort täglich um 11 Uhe und 15 Uhr – außer montags – zwischen dem 1. März und Mitte November, sach- und fachkundig moderierte Greifvogel-Flugschauen statt.

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Beteiligt sind unter anderem Falken, Milane, Eulen und Geier, deren akrobatische Manöver sich im Freiflug über dem Edersee beobachten lassen. Die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Falkner Ludger Kluthausen kümmern sich auch um Steinadler, Seeadler, Gänsegeier, Mönchsgeier, Milane, Wanderfalken, Sakerfalken und Luggerfalken, die in Volieren der Greifenwarte gehalten werden. Auch die Pflege verletzter oder kranker Greifvögel bestimmen den Arbeitsalltag des Experten-Teams. In der von ihnen betriebenen staatlichen Auffang- und Pflegestation werden wilde, verletzte Greifvögel aufgenommen, ehrenamtlich behandelt, gesund gepflegt und dann wieder an ihren Fundstätten freigelassen. Seit dem Frühjahr 1997 betreibt die Familie Kluthausen die Greifenwarte im Wildtierpark Edersee. „Wir waren anlässlich der Feierlichkeiten des 25-jährigen Bestehens hier und haben die Jubiläumsbesucher mit den Flugschauen unserer Vögel begeistert“, erinnert sich Margarete Kluthausen.

: Das Familienunternehmen der Greifenwarte im Jahr 2000 (von links); Ludger Kluthausen, Denise Kluthausen, Theo Koch und Margarete Kluthausen. (Reprofoto: Uli Klein)

Der ehemalige Wildparkchef Hugo Hücker sowie der damalige Fördervereinsvorsitzende und Edertaler Bürgermeister Willi-Ernst Schreiber hätten den Stein für die Eröffnung der Greifenwarte im Wildpark ins Rollen gebracht und auf allen Ebenen hervorragend unterstützt. „Ich werde nie den Satz von Willi-Ernst Schreiber vergessen der fragte: ‚Warum haben wir so etwas nicht hier?“, blickt Margarete Kluthausen zurück. Nach einem weiteren vierzehntägigen „Gastspiel“ war es dann soweit und für Ludger Kluthausen ging nach zwei Jahren ein Traum in Erfüllung.

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„Ich war schon seit längerem auf der Suche nach einem geeigneten Platz und Ort, um mich selbstständig zu machen. Zuvor arbeitete ich als angestellter Falkner auf dem Gelände der Burg Gleichenstein im Eichsfeld.“ Den gewagten Schritt in die Selbstständigkeit und den Umzug in die Nationalparkgemeinde Edertal hätten sie niemals bereut. „Die zurückliegenden Jahrzehnte hier am Edersee waren die Allerschönsten“, stellt Falkner Theo Koch fest, der von Anfang an mit dabei ist. Von Beginn an habe sie sich gemeinsam mit ihrem Ehemann Ludger sowie Theo Koch zur Aufgabe gemacht, den Besuchern Eindrücke zu vermitteln von der Jahrtausendealten Kunst mit Greifvögeln zu jagen, ergänzt Margarete Kluthausen. Komplettiert wird die Mannschaft des Familienunternehmens von Falknerin Jana Zulauf. Mit großem Idealismus widmen sich die Greifvogelexperten auch der erfolgreichen Erhaltungszucht bedrohter Arten wie Turmfalke, Luggerfalke, Rotmilan, Schwarzmilan, Gänsegeier, Mönchsgeier, Schmutzgeier, Bartkauz, Brillenkauz und Kanincheneule.

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Bei allen Aktivitäten rund um die Tiere kommt aber auch die Werbung für den Wildtierpark und die Greifenwarte nicht zu kurz. „Wir haben während mehrerer Hessentage ordentlich und immer wieder die Werbetrommel gerührt. Und wir freuen uns darüber, dass fast regelmäßig auch in Printmedien, im Fernsehen und Hörfunk bundesweit über uns und somit auch den Wildpark berichtet wird“, sagt Ludger Kluthausen. Stolz sind die Falkner auch auf eine Flut von positiven Rückmeldungen von Besuchern, die die Falknerei per Post oder E-Mail erreichen. Ob aus Düsseldorf, Frankfurt, Jena, Battenberg oder Wolfhagen, von überall her gibt es großes Lob für die Arbeit der Falknerei Kluthausen. Langweilig wurde und wird es ihnen nie. „Sämtliche Volieren bauen wir selbst, und auch die Vögel sind immer wieder für Überraschungen gut“, schmunzelt Ludger Kluthausen, dem spontan der Ausflug des Mönchsgeiers Franziskus einfällt, der sich 2002 während einer Flugschau aus dem Staub gemacht hatte. Nach tagelanger Suche gab es nach dem Hinweis eines Radiohörers ein freudiges Widersehen des Geiers mit Theo Koch auf der Wasserkuppe in der Rhön. Der erinnert sich sehr genau an diesen besonderen Moment: „Er kam mir immer schneller werdend auf einem schmalen Waldweg entgegengelaufen. Ganz so als wollte er sagen: da bist Du ja endlich, schön Dich zusehen.“ Nach seiner Heimreise als „Beifahrer“ von Theo Koch und Rückkehr in den Wildtierpark Edersee, sorgte der imposante Greifvogel nach sechs Jahren erneut für Staunen und Schlagzeilen. Ludger Kluthausen: „Plötzlich hatte unser Franziskus ein Ei gelegt. Nun war klar, wir hatten eine Franziska.“

Ausflug bis auf die Wasserkuppe: Mönchsgeier Franziskus machte sich 2002 während einer Flugschau aus dem Staub und landete in der Rhön. Sechs Jahre später war klar: Franziskus ist eine Franziska, denn der Greifvogel hatte ein Ei gelegt. (Foto: Uli Klein)


Die Eröffnung des von den Falknern initiierten Geierfelsens markierte 2014 einen weiteren Meilenstein in der Geschichte des Wildgatters. Einer der beiden dort freilebenden Gänsegeier sei inzwischen zwar abgedüst, der „Spanier“ würde sich aber nach wie vor auf dem Felsen wohlfühlen. Mit dem „Spanier“ verbindet Ludger Kluthausen und sein Team eine innige Beziehung. Der wildlebende und vermutlich aus Spanien stammende Vogel wurde 2013 im Mittelhessischen Breidenbach angeschossen und im Tiermedizinischen Institut der Uni Gießen notoperiert. „Auf Anweisung des dortigen Regierungspräsidiums kam er dann zu uns. Nachdem wir das Tier aufgepäppelt hatten, begannen wir mit ihm das Fliegen neu zu lernen“, erinnert sich Ludger Kluthausen. Trotz der heute noch sichtbaren Verletzung einer Flügelschwinge gleitet der Gänsegeier wieder mehr oder weniger majestätisch durch die Lüfte über dem Edersee. „Na gut, das Flugbild sieht nicht mehr ganz symmetrisch aus. Trotz seines Handicaps scheint er sich aber mit seiner Standorttreue für Alles bei uns bedanken zu wollen“, vermutet Ludger Kluthausen.

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