NABU Hessen: Immer mehr überwinternde Silberreiher in Hessen zu beobachten

Wetzlar(pm). Immer häufiger werden dem NABU Hessen im Winter Sichtungen von eleganten weißen Vögeln gemeldet. Viele Beobachter sind sich gar nicht sicher, wem sie da begegnet sind, da die Vögel fast schon exotisch anmuten. „Tatsächlich hat die Anzahl der Silberreiher-Sichtungen in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Vor allem die Silberreiher aus östlichen und südöstlichen Ländern ziehen in den Wintermonaten nach Deutschland und überwintern hier“, berichtet der NABU Vogelexperte Maik Sommerhage. Die Wintergäste sind hauptsächlich in Flachwasserbereichen von Seen und Teichen, in Feuchtgebieten und Flussauen oder auf Äckern und Wiesen zu finden. Dank des leuchtend weißen Gefieders ist der elegante Vogel schon von weitem zu bewundern und kann deshalb auch leicht von Menschen erkannt werden, die sich nicht zu den Vogelexperten zählen. Silberreiher haben üblicherweise einen gelben Schnabel, der deutlich seltener bei uns anzutreffende Seidenreiher einen schwarzen.

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„Es ist noch gar nicht so lange her, da war ein hierzulande gesichteter Silberreiher eine enorme Seltenheit“, erinnert sich Sommerhage. Denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der elegante Vogel beinahe ausgerottet. Die verlängerten und fein gefiederten Schmuckfedern seines Rückens waren besonders in der Damenwelt als Hutschmuck gefragt. In letzter Minute wurde die Jagd auf Silberreiher glücklicherweise untersagt und die noch bestehenden Populationen seitdem geschützt. Auch in Europa haben sich die Bestände des Silberreihers allmählich erholt und erheblich ausgedehnt. So ist die Art von Südosteuropa bis in die Niederlande und nach Nordpolen vorgedrungen.

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Heute aber lassen sich Silberreiher in Deutschland an zahlreichen Orten beobachten, immer häufiger kommt es zu großen Schlafplatzgemeinschaften. Allerdings handelt es sich in den meisten Fällen um Durchzieher und Wintergäste. Brutpaare sind bisher noch selten. Warum die Silberreiher zunehmend Gefallen an deutschen Feuchtgebieten finden und diesen „Reisetipp“ offenbar auch fleißig verbreiten, wissen auch Experten nicht sicher. Dass allein der Klimawandel dazu geführt haben könnte, ist unwahrscheinlich. „Silberreiher sind nicht kälteempfindlich und auch bei frostigen Temperaturen an eisfreien Fließgewässern zu beobachten“, erläutert der Ornithologe Sommerhage. Die hauptsächliche Ursache für das vermehrte Auftauchen des Silberreihers hierzulande dürfte jedoch in der Zunahme von Brutpaaren in den weiter nördlichen und kontinentalen Gebieten Osteuropas wie Russland oder der Ukraine liegen. Auch das Nahrungsspektrum hat sich verändert. In Osteuropa wiederum ist es zwar im Sommer warm, im Winter jedoch so kalt, dass die „Flüchtlinge“ lieber im vergleichsweise warmen Deutschland mit wenig Schnee überwintern. Finden sie in besonders harten Wintern auch bei uns keine Nahrung mehr, wandern sie wiederum weiter gen Süden.

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„Gute Chancen einen Silberreiher zu Gesicht zu bekommen hat man in Hessen beispielsweise am Twistesee in Nordhessen, in den Lahnauen Mittelhessens, in den Feuchtgebieten der Wetterau oder auf den Flächen der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe an den Vogelsbergteichen“, empfiehlt Maik Sommerhage. Letztlich ist die Art mittlerweile aber in allen Kreisen Hessens im Winterhalbjahr vor allem in der Zeit von Oktober bis März anzutreffen. Deutschland wurde dabei jedoch lange als Brutplatz von den Vögeln übersehen. Den ersten Brutnachweis gab es 2012 an der Ostseeküste. In Hessen zählt der Silberreiher noch nicht zu den Brutvögeln. Silberreiher sind echte Vagabunden, die ganzjährig viel unterwegs sind, daher ist über das genaue Zugverhalten des Silberreihers bisher nur wenig bekannt. Mitunter ist er noch im Spätherbst und Winter zu beobachten und unterscheidet sich daher von typischen Zugvögeln wie Weißstorch oder Kranich. Silberreihermeldungen auf der Meldeplattform www.nabu-naturgucker.de sind willkommen und helfen ein genaueres Bild von der eleganten Vogelart zu bekommen.

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