51 Jahre Wildtierpark Edersee: Keiler Konrad sorgt für den ersten Nachwuchs

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Tragisches Ende eines Publikumslieblings

Hemfurth-Edersee(Artikelserie von Uli Klein). Tischlermeister Karl Klebig, Erbauer und ehemaliger Besitzer des Hemfurth-Ederseer Waldhotels „Dornröschens Höh“, fühlte sich der Natur und Tieren in besonderer Weise verbunden. Davon profitierte auch der Wildpark. Aus Sympathie schenkte Klebig der Einrichtung seinen sechs Jahre alten Keiler „Konrad“. Der Vierbeiner hatte einst in den Wäldern rund um Sachsenberg das Licht der Welt erblickt und wurde dort als Frischling von einem Jagdaufseher namens Daudy aufgezogen. Im Alter von zwei Jahren wechselte das überaus zutrauliche und handzahm gewordene Wildschwein den Besitzer und wuchs in der Obhut von Karl Klebig in Hemfurth-Edersee zu einem stattlichen Keiler heran.

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Im Dezember 1970 begattete Konrad im Bericher Holz eine in Polen geborene Artgenossin, die sich mit ihm und drei weiteren Sauen das Gehege teilte. Nach einer Tragzeit von 124 Tagen brachte die Bache sechs Frischlinge zur Welt. Bei der Parkleitung und vielen Besuchern löste das Freude aus, denn Konrad hatte für den ersten tierischen Nachwuchs gesorgt. Der Arterhaltungs- und Fortpflanzungstrieb des kapitalen Keilers bescherte dem Wildgatter nur wenige Tage später weitere Tierbabys, nachdem sich Konrad auch mit einem aus Jugoslawien stammenden Borstenvieh und mit einer Wildsau aus dem Spessart gepaart hatte. Bei der Eröffnung des Wildparks am 26. Oktober 1970 zählte der bis dato eher überschaubare Tierbestand fünf Wildschweine, einen Muffelwidder und acht Damhirsche. In den folgenden zwei Jahren wurde Steinwild aus den Alpen an den Steilhängen des Parks angesiedelt. Fortan zierte über viele Jahre hinweg der Steinbock das Wappen des Wildparks Edersee.

Ein gezeichnetes Tierportrait: Über viele Jahre hinweg zierte die Silhouette eines Steinbocks das Wappen des Wildparks Edersee. (Reprofoto: Uli Klein)

Nach der Erweiterung im Jahr 1973 zogen dann Wisente, Timberwölfe und Luchse in neu gebaute Schaugehege ein. Während dieser Zeit genoss Keiler Konrad seine unangefochtene Dominanz im Wildschweinrevier in vollen Zügen und er sorgte für reichlich Nachwuchs. Doch auch seine Tage waren irgendwann gezählt. Der mittlerweile stark übergewichtige und von gewisser Altersschwäche gezeichnete Keiler trug beim Angriff eines jüngeren Keilers eine offene Bauchverletzung davon, nachdem der Kontrahent seine Unterkiefer-Eckzähne als Waffe eingesetzt und damit eine Körperflanke seines betagten Rivalen aufgerissen hatte. Den blutigen Ausgang dieses erbittert geführten Hierarchiekampfes hatten auch einige Bachen nicht verhindern können. Sie stellten sich aber immer wieder schützend zwischen dem nun wehrlos am Boden liegenden alten Bassen und seinen Herausforderer.

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Mit diesem instinktiven Verhalten gelang es ihnen weitere Attacken des jüngeren Keilers abzuwehren und ihn auf Distanz zu halten.
Das Betreten der Anlage erschien den schockierten und fassungslosen Beobachtern der grausigen Szenen zu gefährlich. Die Wildschweine verhielten sich unvermindert aggressiv und überaus angriffslustig. Nachdem sich die angespannte Situation nach einigen Stunden einigermaßen beruhigt hatte, konnte der schwerstverletzte und um sein Leben ringende Wildparkbewohner mit der Frontlader-Schaufel eines Traktors aus dem Gehege geholt werden. Doch für den Publikumsliebling kam jede Hilfe zu spät. Mit einem Schuss aus dem Gewehr eines Forstmitarbeiters wurde Konrad von seinem Leid erlöst.

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