Alte Bunkeranlagen zum Fledermausquartier umgebaut

Großes Mausohr im Winterschlaf. Foto Stefan Zaenker

Heringen(pm). In einer gemeinsamen Naturschutzaktion behördlicher und ehrenamtlicher Institutionen wurden zwei alte Luftschutzbunker am Standort Wintershall (Heringen) des Werkes Werra zu Fledermausquartieren umgebaut. Pünktlich zum Beginn der kalten Jahreszeit können die Fledermäuse nun Ihre neuen Quartiere beziehen.

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Die einheimischen Fledermausarten sind alle bedroht und teilweise sogar vom Aussterben bedroht. Eine der Ursachen ist das Fehlen geeigneter Winterquartiere in unserer Region. In Hessen sind derzeit 20 Fledermausarten bekannt. Viele davon sind auf frostfreie Winterquartiere wie Höhlen, Bergwerksstollen, Felsenkeller oder alte Bunkeranlagen angewiesen. Die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel versucht in enger Zusammenarbeit mit den Naturschutzvereinen vor Ort, solche Quartiere für den Fledermausschutz zu öffnen und, falls nicht vorhanden, Hangplätze zu schaffen. Stefan Zaenker, Mitarbeiter der Oberen Naturschutzbehörde und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz Hessen (AGFH), steht hierfür als Ansprechpartner zur Verfügung.

Joachim Walter und Christian Zaenker beim Anbringen der Fledermauslochsteine. Foto Stefan Zaenker
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Jetzt konnte als Partner der Oberen Naturschutzbehörde für eine solche Artenschutzmaßnahme die K+S Minerals and Agriculture GmbH, Werk Werra, gewonnen werden. Diese ist Eigentümerin zweier jeweils etwa 300 Meter langer Luftschutzstollen, die im 2. Weltkrieg zum Schutz der Werksangehörigen bei Fliegerangriffen in den Berg gehauen wurden.
Nach einer gemeinsamen Besichtigung der alten Anlagen zusammen mit Baubetriebsingenieur Daniel Otto und Markus Bernhardt vom Standort Wintershall war schnell klar, dass sich die Stollen aufgrund der noch vorhandenen Standsicherheit, der gleichbleibenden Temperatur und der hohen Luftfeuchtigkeit ausgezeichnet als Winterquartier eignen würden. Nachdem K+S sich bereit erklärt hatte, auf eigene Kosten die baufälligen Eingangsbereiche der Stollen zu sanieren und dann mit fledermausgerechten Einflügen zu versehen, wurden in einer gemeinsamen Aktion in beiden Luftschutzstollen zahlreiche Fledermauslochsteine an der Stollendecke befestigt.

Die Finanzierung der Lochsteine wurde von der Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz Fulda übernommen. Durchgeführt wurden die Arbeiten mit Hilfe von Joachim Walter (Biosphärenreservat Rhön), Albert Neumann (Höhlenforscherclub Bad Hersfeld) und Christian Zaenker (Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz Fulda). Im Vorfeld war an den Planungen Michael Herzog (NABU) beteiligt. Die Luftschutzstollen werden nun jedes Jahr in das Fledermaus-Wintermonitoring aufgenommen, das gemeinsam von der Oberen Naturschutzbehörde und dem Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen organisiert und durchgeführt wird. Die dabei erhobenen Daten zeigen seit Jahren die Bestandsentwicklungen unserer heimischen Fledermausarten und sind eine wichtige Grundlage für Naturschutzmaßnahmen. Alle Beteiligten lobten die gute Zusammenarbeit und warten nun auf die ersten Fledermäuse, die bald die neuen Winterquartiere beziehen werden.

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