Mehr als “waschen, schneiden, föhnen”

Friseurmeisterin. Bastienne Kügler. Foto:Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg

Korbach(pm). Der Weg in das Friseurhandwerk kann ganz unterschiedlich verlaufen. Bastienne Kügler ist Friseurmeisterin. In ihrer Familie arbeiten alle in der Pflege bis auf ihr Vater, der Architekt ist. In der 8. Klasse hat Bastienne einen Schnuppertag in der Friseurwerkstatt des Berufsbildungszentrums Korbach der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg absolviert. Und dann war es um sie geschehen. Schulpraktikum und Ferienjob machte sie bei Lessing Friseure in Korbach. Danach hat Bastienne das Friseurhandwerk nicht mehr losgelassen und so machte sie bei Lessing auch ihre Ausbildung.

Die Ausbildung erfolgte nicht ganz klassisch. Der Unterschied zu manch anderen Auszubildenden ist, dass Bastienne die schulische Ausbildung nicht in einer Berufsschule hier im Landkreis besuchte, sondern an der “Pivot Point Member School” in Obrigheim. Während ihres Schulbesuches absolvierte sie die praktische Ausbildung im Ausbildungsbetrieb in Korbach. Nach bestandener Gesellenprüfung zur Friseurin legte sie zugleich Teil I (Fachpraktischer Teil) und Teil II (Fachtheoretischer Teil) der Meisterprüfung in Österreich / Salzburg bei der dortigen Handwerkskammer ab.

Der Inhalt ihrer Meisterprüfung I und II bestand aus Frisur- und Hairstylingtechniken sowie aus Maniküre und Nageldesign. Ihr Thema der Fachpraktischen Prüfung war „Maskenball“. Hier ließ sich Bastienne einiges einfallen und verlieh ihren Modellen beispielsweise eine Schusswunde über der Stirn, eine Schnittwunde auf der Wange und eine Schürfwunde über dem Arm. Da die Ausbildung an der „Pivot Point Member School“ nicht ganz billig ist, arbeitete Bastienne zunächst als Friseurin im Ausbildungsbetrieb, um Geld zu verdienen. Ihre Eltern unterstützten sie ebenfalls. In 2016 kam ihre Tochter zur Welt und sie blieb ein Jahr in Elternzeit. Danach bewarb sie sich bei Friseur Ümit in Korbach. Nach Erhalt der Anerkennung der Meisterteile I und II bei der Handwerkskammer in Kassel durchlief Bastienne die Meisterbereiche Teil III (Betriebswirtschaftlicher, kaufmännischer und rechtlicher Teil) und Teil IV (Berufs- und arbeitspädagogischer Teil) bei der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg. Ihren Meister hat Bastienne seit Mitte August in der Tasche.

Weiterbildung steht bei Bastienne mit an erster Stelle. Den Master of Color (Wella Education) hat sie bereits geschafft. Als nächstes Ziel möchte sich Bastienne zur Staatlich geprüften Coloristin (HWK) qualifizieren.
Bastienne möchte bei Friseur Ümit in Korbach bleiben. Und das nicht ohne Grund. Inhaber Ümit beschäftigt 9 Friseurinnen von denen zwei (Julianne Rödding und Bastienne Kügler) ihren Meistertitel haben und eine angehende Meisterin (Michele Floren), die den Meisterlehrgang in Kassel in Vollzeit besucht. Fachbezogene Seminare stehen bei Ümit regelmäßig auf dem Weiterbildungsprogramm. Gut geschulte und zufriedene Mitarbeiterinnen, darauf legt er großen Wert. „Und wenn er mit so viel Frauen-Power einmal nicht mehr weiter weiß, dann holt er sich eine Trainerin oder TRainer ins Haus, die eine Teamschulung durchführt und für den guten Umgang untereinander sorgt. Danach geht es gleich viel besser!“, so Ümit.


Wir fragten Bastienne, was macht dich glücklich in deinem Beruf? „Wenn der Kunde aus dem Laden geht und lächelt und sich wie ein neuer Mensch fühlt. Friseurin ist so viel mehr als nur Haareschneiden. Teilweise begleitet man die Kunden von der Hochzeit über die Schwangerschaft bis zur Geburt und baut ein inniges Verhältnis auf. Das macht glücklich!“, so Bastienne.

Das Friseurgeschäft von Ümit ist ein Vorzeigebetrieb in Sachen Aus- und Weiterbildung. Und davon haben wir so einige im Raum Waldeck-Frankenberg. Wer eine Ausbildung oder ein Praktikum im Friseurhandwerk sucht, kann sich über die genauen Ausbildungsinhalte unter: https://handwerk.de/berufsprofile/friseur-in erkundigen.
Wer Fragen zur Meisterin und zum Meister hat, kann sich bei der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg in Korbach, Elke Zarges, unter Tel.: 05631 / 9535-211 informieren.

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