In Corona-Zeiten arbeiten Ausbildungsexperten noch enger zusammen

Corona erschwert die Ausbildungsplatzsuche. Foto: Kreishandwerkerschaft

Noch 862 freie Ausbildungsstellen im Kreis Paderborn

Kreis Paderborn (krpb). Der Coronavirus und seine Folgen sorgt in den vergangenen Wochen und Monaten bei vielen Menschen für Sorgenfalten auf der Stirn. Während sich so mancher Arbeitnehmer fragt, wann und wie er wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkommt, sorgen sich viele Schülerinnen und Schüler in ihrem letzten Schuljahr, wie sie bis zum Sommer überhaupt einen Arbeitsplatz finden. Ausbildungsmessen und –börsen oder die persönliche Berufsberatung der Agentur in den Schulen – all diese Angebote müssen zurzeit ausfallen. „Wir möchten gemeinsam den Jugendlichen ganz deutlich sagen: Wir sind für euch da!“, betont Landrat Manfred Müller.

Zusammen mit der Arbeitsagentur, der Industrie- und Handelskammer, der Kreishandwerkerschaft und den Schulen bildet der Kreis seit zwei Jahren einen Runden Tisch zur Ausbildung und der Frage nach einem reibungslosen Übergang von der Schule in den Beruf für alle Jugendlichen. Rund alle zwei Monate treffen sich die Experten, um sich auszutauschen und neue Strategien und Ideen zur erfolgreichen Ausbildungsvermittlung zu entwickeln. Auf diese gute und etablierte Zusammenarbeit können sie nun aufbauen. „Wir haben uns gemeinsam das klare Ziel gesetzt, allen Jugendlichen auch in dieser schwierigen Zeit einen passenden Übergang in den Beruf zu ermöglichen“, so der Landrat.

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Ein Blick auf die Statistik der Agentur für Arbeit lässt Positives hoffen. „Bei uns sind 862 offene Ausbildungsstellen gemeldet. Damit können wir allen Schülern noch etwas bieten“, erklärt Rüdiger Matisz, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur. Über die Telefonhotline der Berufsberatung der Agentur für Arbeit können unversorgte Jugendliche auch in dieser Zeit einfach und unkompliziert Hilfe erhalten und Kontakte zu Ausbildungsbetrieben hergestellt werden.

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Erste Zahlen zeigen, dass die Anzahl der noch unversorgten Schüler höher ist als in anderen Jahren. Hier macht sich der Wegfall der persönlichen Betreuung durch Berufsberater oder Lehrer deutlich bemerkbar. Zwar waren die Berater aller Institutionen in den vergangenen Wochen telefonisch zu erreichen. Das ersetzt aber nicht den direkten Zugang, besonders bei Jugendlichen, sie sich bei der Ausbildungsplatzsuche schwertun. „Es ist eine Barriere zu den Jugendlichen entstanden, die wir uns so nicht wünschen. Deshalb ist es wichtig, kreative und zielgruppengerechte Perspektiven zu schaffen. Und das geht zusammen am besten“, so Matisz.

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Neue kreative Wege geht die Industrie- und Handelskammer, nachdem ihr erfolgreiches Angebot des Azubi-Speed-Datings im Schützenhof abgesagt werden musste. „In diesem Jahr gehen wir diesen Weg digital. Unternehmen, die für den Ausbildungsstart 2020 noch Bewerber suchen, bieten wir über eine neue App Terminbuchungen an“, erzählt Jürgen Behlke, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und Leiter der Zweistelle Paderborn und Höxter. Die App „Ausbildungschance Digital“ geht Anfang Juni an den Start und bietet die Online-Buchung von telefonischen Vorstellungsterminen mit Unternehmen an. Weiterhin werden Beratungsangebote sowie Tipps und Tricks für Schülerinnen und Schüler zu vielen Themen rund um den Bewerbungsprozess über die App angeboten. Auch das Handwerk setzt in dieser schwierigen Zeit vor allem auf digitale Kommunikationswege. Vom 15. bis 18. Juni treffen sich interessierte Schülerinnen und Schüler beim „Digitalen Speed Dating im Handwerk“ mit Meisterbetrieben, die aktuell noch auf der Suche nach Auszubildenden sind. Die Anmeldung funktioniert ganz einfach über WhatsApp. „Da unser Eventmobil zurzeit in der Garage bleiben muss, steht unser Team der Ausbildungsoffensive ‚Folge Deinem Ich!‘ per WhatsApp, Videochat sowie natürlich per Telefon und E-Mail an fünf Tagen in der Woche für Lehrer, Schüler, Eltern und Handwerksbetriebe zu Verfügung“, erklärt Projektleiter Jörg Briesenick.

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Aktuell bereits wieder in den Schulen unterwegs sind die Ausbildungsakquisiteure des Bildungs- und Integrationszentrums des Kreises Paderborn. „Die persönliche Ebene, auf der die Beratung stattfindet, ist in dieser schwierigen Zeit besonders wertvoll“, freut sich Petra Münstermann, Sachgebietsleitung Übergang Schule Beruf, dass die Schulen im Kreisgebiet ihre Tore für die Ausbildungsexperten des Kreises geöffnet haben. Bei den Beratungen wird auf die Einhaltung der Hygieneregeln geachtet. „Corona bringt für uns alle Herausforderungen und zeigt, dass Vernetzung der Institutionen untereinander wichtiger denn je ist. Wir arbeiten Hand in Hand, um alle Schüler zu versorgen“, betont Landrat Müller.

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