Detektivarbeit im Gesundheitsamt

Ein Besprechungsraum wurde zum Büro für die Datenermittlung umgebaut – natürlich mit 1,5 Meter Abstand zwischen den Arbeitsplätzen: Auszubildende Sandrina Luig und Christian Wiedemann unterstützen das Gesundheitsamt. Foto: Kreis Paderborn, Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Meike Delang

Auszubildende des Kreises unterstützen bei der Bewältigung der Corona-Krise

Kreis Paderborn (krpb). Falsch geschriebene Namen, falsche oder fehlende Geburtsdate und eine Adresse ist oftmals nicht dabei. Wenn die Corona-Testergebnisse im Gesundheitsamt eintreffen, dann beginnt für Sandrina Luig und ihre Kollegen die Detektivarbeit. Und sie wissen: Sie müssen gründlich und schnell sein. Denn irgendwo im Kreis Paderborn sitzt nun ein angespannter und nervöser Bürger, dem das Kreisgesundheitsamt mitteilen muss, dass er sich mit dem COVID-19-Erreger infiziert hat.

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„Eigentlich wäre meine nächste Ausbildungsstation das Umweltamt gewesen“, erzählt die 21-Jährige, die gerade das zweite Jahr ihrer Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten beim Kreis Paderborn absolviert. „Aber Anfang März kam der Anruf, dass ich im Gesundheitsamt gebraucht würde“, so Luig. Urlaubsrückkehrer brachten den Coronavirus aus Italien und Österreich mit in den Kreis und schnell wurde klar, dass das Gesundheitsamt diese Pandemie nicht nur mit den eigenen Mitarbeitern bewältigen kann. Unterstützung fanden sie bei den Kollegen der anderen Ämter und bei den Auszubildenden wie Sandrina Luig und Christian Wiedemann.

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Der 21-jährige Wiedemann half unter anderem, dringend benötigte Schutzkleidung und Masken an Pflegeeinrichtungen zu verteilen. „Die Leute haben sich gefreut, als ob Weihnachten wäre“, erinnert er sich lachend. Doch es gab auch Moment, bei denen die Freude über seinen Besuch nicht so groß war. Zum Beispiel, als er einen Arzt begleitete, der dort Testabstriche vornahm. „Einig der Bewohner der Einrichtung litten an Demenz und verstanden nicht, was passierte. Da ist viel Ruhe und Einfühlungsvermögen gefragt, um sie zu beruhigen und die Situation verständlich zu machen“, erzählt Wiedemann. Was beiden Auszubildenden an ihrer neuen Aufgabe gefällt: die große Eigenständigkeit und Verantwortung. „Ganz am Anfang haben wir bei der Datenerfassung noch Zettel geschrieben. Prozesse mussten sich erst finden, so eine Pandemie hatten wir ja noch nie. Und ich war bei jedem Schritt dabei, durfte Abläufe mitverbessern und entwickeln“, erzählt Sandrina Luig begeistert. Heute läuft das alles digital und so hat Corona ganz nebenbei einen großen Digitalisierungsschub im Gesundheitsamt ausgelöst.

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Eigentlich war für die junge Frau die Sicherheit eines Arbeitsplatzes im Öffentlichen Dienst einer der Hauptgründe, sich für eine Ausbildungsstelle beim Kreis Paderborn zu bewerben. Dass sie einmal Teil der Speerspitze einer Pandemiebekämpfung sein würde, hätte sie nie gedacht. Trotz allen Stress und der Arbeit am Wochenende und Feiertagen, die eine solche Pandemiebekämpfung mitbringt, sehen Luig und Wiedemann die Zeit vor allen als große Bereicherung: „Wir wissen, dass wir mit all dieser Arbeit den Menschen helfen und dazu beitragen sie zu beschützen.“ Und sie loben den großen Zusammenhalt, der unter den Mitarbeitenden zu spüren ist. „Immer hat jemand ein offenes Ohr für uns und ständig bringen die Kollegen etwas zu Essen oder Kuchen mit“, erzählen sie. In ihrem Freundeskreis sind die beiden so etwas wie die „Corona-Experten“ geworden. Ständig werden sie nach den neuesten Gerüchten und Regelungen gefragt. „Ich glaube, durch meine Arbeit im Gesundheitsamt nehme ich die Situation ernster als viele meiner Altersgenossen. Aufgrund meines Alters mache ich mir aber weniger Sorgen darüber, dass ich mich infizieren könnte, als dass ich meine Großeltern oder andere Risikopatienten anstecke“, sagt Christian Wiedemann. Er achtet daher immer auf Abstand und Schutz. Bis August sind Wiedemann, Luig und die anderen Auszubildenden noch im Gesundheitsamt eingesetzt. Danach beginnt planmäßig wieder die Berufsschule. Aber, ob die in drei Monaten ihren regulären Schulbetrieb wiederaufnimmt, kann ihnen zurzeit noch keiner sagen.

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Über 90 Nachwuchskräfte sind derzeit in der Kreisverwaltung Paderborn tätig. Neben Verwaltungsfachangestellten werden Ausbildungen zum Fachinformatiker, Vermessungstechniker und Straßenwärter angeboten. Außerdem können sich junge Menschen mit Hochschul- oder Fachhochschulreife für die dualen Studiengänge: Bachelor of Arts, Verwaltungsinformatik und Bachelor of Laws bewerben. Zudem besteht die Möglichkeit in der Kreisverwaltung ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundes Freiwilligendienst zu machen. Ab Sommer startet der Bewerbungszeitraum für den Ausbildungsbeginn 2021. Weitere Informationen unter: www.kreis-paderborn.de/ausbildung.

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Hintergrund: Infektionsschutzaufgaben des Gesundheitsamtes
Nach dem Infektionsschutzgesetz sind die Gesundheitsämter der Kreise und kreisfreien Städte für Vorsorgemaßnahmen, Überwachungsaufgaben und Schutzmaßnahmen. Hierzu gehören die Prävention, das Erkennen und Erfassen, das Melden und Beobachten, die Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten. In Falle des Ausbruchs einer Epidemie sind die erste Aufgaben, Personen zu erfassen, die sich infiziert haben. Dann beginnt die Ermittlung aller Kontaktpersonen des Infizierten. Diese müssen identifiziert, kontaktiert, getestet und über Quarantänemaßnahmen aufgeklärt werden. Ziel ist es, durch die Ermittlung der Infektionsketten eine Weiterverbreitung der Infektionskrankheit zu verhindern.

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