Riesiges Interesse an Stunde der Gartenvögel

Riesiges Interesse an Stunde der Gartenvögel meldet der NABU. Foto: Sebastian Hennigs/NABU

Teilnehmerzahl verdoppelt – Meldungen geben weitere Hinweise zum Blaumeisensterben

Wetzlar(pm). Mit einer freudigen Nachricht zieht der NABU Hessen eine Bilanz zur Vogelzählaktion „Stunde der Gartenvögel“ vom Muttertagswochenende: „Die 16. Stunde der Gartenvögel bricht alle Rekorde. Das Interesse war riesig. In Hessen haben bis zum Meldeschluss am 18. Mai, etwas über 12.800 Vogelfreunde ihre Beobachtungen dem NABU gemeldet. Sie haben an 8.882 Beobachtungspunkten im Land rund 243.188 Vögel gesichtet und gemeldet. Also in allen drei Kategorien etwa doppelt so viele Daten wie im Vorjahr. Das verbessert unsere Datengrundlage enorm und hilft beim Bewerten von Trends und Problemen in der Vogelwelt“, freut sich Gerhard Eppler, Landesvorsitzender vom NABU Hessen. Bundesweit waren etwa 50 Prozent der Zählenden das erste Mal dabei – und bleiben der Aktion hoffentlich auch im nächsten Jahr treu.

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Mehr als 157.000 Menschen in ganz Deutschland haben das Muttertagswochenende genutzt, um Vögel in Garten, Park oder auf dem Balkon zu zählen. Darin offenbart sich für den NABU ein gewachsenes Interesse der Menschen an der Natur vor ihrer Haustür in der Corona-Krise. „Wir beobachten, dass die Menschen die unmittelbare Natur im Siedlungsraum bewusster wahrnehmen“, sagt Eppler.

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Naturbegeisterte, die durch die Aktion „Stunde der Gartenvögel“ Spaß am Beobachten der Tierwelt gefunden haben, können sich auch außerhalb der Zählaktion für Gartenvögel engagieren und somit einen wichtigen Beitrag für den Erhalt und Schutz unserer heimischen Arten beizusteuern. Der Biologe Eppler rät: „Wer mehr Natur in seinem Umfeld erleben und Gartenvögeln helfen möchte, sollte seinen Hof, Balkon oder Garten zum Mini-Naturschutzgebiet machen. Denn in einem vogelfreundlichen Garten finden viele Arten Nahrung und ein Zuhause. Tipps für einen vogelfreundlichen Garten hat der NABU unter www.nabu.de/vogelgarten zusammengestellt.

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Aufgrund des Blaumeisensterbens, standen bei der Stunde der Gartenvögel vor allem die Blaumeisen in diesem Jahr im Fokus der Aufmerksamkeit. Bis zum 14. Mai wurden dem NABU deutschlandweit über 19.000 Fälle mit 35.000 verstorbene Vögeln gemeldet. Die Karte aller Meldungen zeigt eine deutliche Häufung in Hessen und angrenzenden Bundesländern. Als Ursache wurde inzwischen das Bakterium Suttonella ornithocola identifiziert, das offensichtlich vor allem bei Meisenarten Lungenentzündungen verursacht. Die in Deutschland bisher einmalige Vogel-Epidemie flaut seit Ende April deutlich ab. Bundesweit betrachtet sind 24 Prozent weniger Blaumeisen pro Garten gemeldet worden. Statt 2,16 Blaumeisen pro Meldung sind es in diesem Jahr nur noch 1,67 – mit Abstand der niedrigste Wert seit Beginn der Zählungen im Jahr 2005. „Um herauszufinden, ob der Rückgang wirklich auf das Konto der Epidemie geht, wurde inzwischen für jeden Landkreis und jeden Postleitzahlen-Bereich die Veränderungen der Blaumeisenzahlen gegenüber 2019 mit der Anzahl gemeldeter kranker Meisen verglichen.“, erläutert Eppler. Dabei ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang. Je mehr Berichte erkrankter und toter Meisen aus einem Landkreis beim NABU ankamen, desto größer waren dort auch die Bestandsrückgänge. Insgesamt wurden in ganz Hessen im Vergleich zum Vorjahr 32 Prozent weniger Blaumeisen gemeldet. Wir können daher davon ausgehen, dass zumindest ein Teil des Rückgangs direkt auf das Blaumeisensterben zurückzuführen ist. Dass auch noch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben, ist nicht auszuschließen.

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Ein wichtiger Faktor bei der Ansteckung mit Suttonella ornithocola und anderen derzeit kursierenden Vogelkrankheiten ist der nahe Kontakt der Vögel an Futterstellen und Tränken. Daher müssen diese beim Auftreten von toten oder kranken Tieren unverzüglich eingestellt werden, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Wer auf die Vogelfütterung nicht verzichten möchte, sollte unbedingt mit Hygienestandards an Futterhaus und Wasserstellen dafür sorgen, dass sich die Tiere nicht gegenseitig anstecken können. „Wichtig ist, dass die Futterstellen und Tränken immer sauber gehalten werden. Dazu muss das Wasser täglich gewechselt und am besten noch die Behälter mit heißem Wasser überbrüht werden, um Keime zu töten“, rät Eppler.

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Hintergrund zum Meisensterben

Das Bakterium Suttonella ornithocola tötet fast ausschließlich Meisen, vor allem die kleinen Meisenarten, von denen die Blaumeise mit Abstand am häufigsten in deutschen Gärten vorkommt. Das Bakterium ist erst seit 1996 bekannt. Damals wurde es in Großbritannien beschrieben und tritt dort flächendeckend regelmäßig auf, hat aber bisher nicht zu überregionalen Massensterben geführt. Der Erreger ist für Menschen und Haustiere ungefährlich. Da Vögel aber auch an anderen Krankheiten gestorben sein könnten und grundsätzlich oft mehrere Pathogene in sich tragen können, sollten tote Vögel nur mit Handschuhen angefasst werden. Der Fund kranker und toter Meisen kann weiterhin unter www.NABU.de/meisensterben mit Daten und Fotos gemeldet werden.

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