Kinder sind unsere Zukunft – egal welche Sprache sie sprechen

In der Kita Rappelkiste in Bad Wünnenberg trifft sich die neue Elterngruppe einmal in der Woche – vorne v.l. Projektkoordinatorin Gulshat Ouadine und Elternbegleiterin Weronika Dudeck; hinten v.l. Mütter und Projektbeteiligte: Noor Alhayali aus Irak, Baraa Alhmede aus Syrien, Hajar Hassni aus Afghanistan, Kita-Leiterin Claudia Grußmann , Anna Krogulecka aus Polen, Bürgermeister Christoph Rüther, Dr. Burkhard Lehman (Osthushenrich-Stiftung), Bernhard Lünz (Leiter Kommunales Integrationszentrum) und Petra Bolte (Leiterin BIZ).. Foto: Kreis Paderborn, Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Meike Delang

Bildungs- und Integrationszentrum des Kreises startet drei neue Rucksack-Kitas – Osthushenrich Stiftung fördert Projekt zu 50 Prozent

Kreis Paderborn(krpb). Claudia Grußmann, Leiterin der Kindertagesstätte Rappelkiste in Bad Wünnenberg, kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als Erzieher und Lehrer die Kinder stetig ermahnten: „Sprich bitte Deutsch!“ Damals glaubte man, dass das Sprechen der Familiensprache Kinder davon abhalten würde, Deutsch zu lernen. Das Ergebnis war eine Generation von Einwandererkindern, die gelernt haben, ihre Familiensprache als Makel zu empfinden. „Heute wissen wir, dass das Aufwachsen mit zwei Sprachen die Kinder nicht schwächt, sondern im Gegenteil stärkt. Deswegen fördern wir mit unserem Rucksack-Projekt gezielt die Mehrsprachigkeit von Kindern“, erläutert Gulshat Ouadine, Projektkoordinatorin von „Rucksack KiTa“ beim Kommunalen Integrationszentrum im Bildungs- und Integrationszentrum des Kreises Paderborn (BIZ).

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„Mehrsprachigkeit ist ein Schatz, den es zu bewahren gilt“, bekräftigt auch der Bad Wünnenberger Bürgermeister Christoph Rüther. In Bad Wünnenberg sind mit der Kita Rappelkiste und der Kita Lummerland zwei Einrichtungen neu beim Rucksack-Projekt dabei und auch in Paderborn hat eine neue Rucksack-Gruppe gestartet. Aktuell wird das Projekt des Kommunalen Integrationszentrums im Bildungs- und Integrationszentrum des Kreises Paderborn im Kreisgebiet in acht Kindertageseinrichtungen angeboten. Unterstützt wird es von der Osthushenrich-Stiftung, die 50 Prozent der Projektkosten im Kreis Paderborn trägt. Die andere Hälfte finanziert das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW.

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Arabisch, Aramäisch, Armenisch, Bulgarisch, Italienisch, Kurdisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Türkisch und natürlich Deutsch – diese zwölf Sprachen werden in den Rucksack-Elterngruppen gesprochen. Geleitet werden die Gruppen von Elternbegleiterinnen, die selbst einen Migrationshintergrund haben und ihre Kinder zweisprachig erziehen. Sie werden für ihre Aufgabe vom Bildungs- und Integrationszentrum des Kreises geschult und können so nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch pädagogisch gestützt Eltern die mehrsprachige Erziehung näherbringen. Weronika Dudek ist eine dieser Elternbegleiterinnen. Die 29-Jährige stammt aus Polen und war dort als Sozialarbeiterin tätig. Vor fünf Jahren kam sie nach Deutschland und widmete sich zunächst der Erziehung ihrer kleinen Kinder. Sie weiß, welchen Herausforderungen junge Migrantenmütter gegenüberstehen. „Viele haben keine deutschen Freunde, haben kaum Gelegenheit, Deutsch zu sprechen und zu lernen. In unseren Elterngruppen knüpfen sie Kontakte und lernen viel über Deutschland“, berichtet Dudek. Einmal in der Woche trifft sie sich mit sechs Müttern in der Kita Rappelkiste. Dann sprechen sie über Privates und lernen, ihre Kinder zu fördern. „Jede Elterngruppe bekommt einen Rucksack, prall gefüllt mit Wissen, Anregungen zu Förderaktivitäten und Übungen sowie Büchern“, erläutert Ouadine. Zu Hause gehen die Mütter die Übungsblätter mit ihren Kindern in der Familiensprache durch und in der Kita bearbeiten die Erzieherinnen dasselbe Arbeitsblatt mit den Kindern auf Deutsch. Oder es gibt zweisprachige Bücher, die auf Deutsch und einer anderen Sprache vorgelesen werden können.

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Das Ziel des Rucksack-Projektes ist es, dass die Kinder beide Sprachen – Deutsch und die Familiensprache – sicher beherrschen, ihre Mehrsprachigkeit als Bereicherung wahrnehmen und selbstbewusst damit umgehen. Aber auch die teilnehmenden Eltern profitieren von den Elterngruppen. „Eltern, die noch nicht lange in Deutschland sind, lernen die Sprache und finden Kontakte außerhalb der Familie“, so Ouadine. Daraus ergäbe sich auch weiteres Engagement. Die Eltern bringen sich mehr in den Kindergärten ein und unterstützen auch weitere Elterninitiativen. Davon könne die ganze Gesellschaft profitieren, ist Projektkoordinatorin Gulshat Ouadine überzeugt, denn schließlich: „Kinder sind unsere Zukunft – egal welche Sprache sie sprechen!“

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