Therapiehunde erobern die Herzen der Patienten in der Klinik für Geriatrie

Alaska hat auf Kommando von Frau Nath gewürfelt.Als Belohnung erhält sie die entsprechende Anzahl an Leckerlis. Foto: Kreiskrankenhaus Frankenberg

Frankenberg(pm). Im Kreiskrankenhaus in Frankenberg gibt es seit 2016 das Angebot, mit Hilfe von ausgebildeten Therapiebegleithunden Patienten zu unterstützen. Bisher wurde dieses Angebot hauptsächlich in der Palliativ-Medizin in Anspruch genommen. Die Leitende Oberärztin Gabriele Schalk, Fachärztin für Gynäkologie, Geburtshilfe und Palliativmedizin hatte sich anfänglich für die Erlaubnis eingesetzt, dass schwerkranke Patienten von ihren geliebten eigenen Hunden besucht werden durften. Die überaus positive Wirkung auf kranke Menschen kann mit einem ausgebildeten Therapiehund aber für viele Patienten ermöglicht werden.

Linda-Maria Vietz mit Alaska (links) und Stefanie Schink mit Zazou. Foto: Kreiskrankenhaus Frankenberg

Gerade ältere Menschen profitieren besonders von dieser Form der Therapie, deshalb finden derzeit erste Sitzungen in der Klinik für Geriatrie statt. Ergotherapeutin Nele Seiwert bewirbt bei den geriatrischen Patienten das Angebot und stößt auf großes Interesse. Zwei Hundeführerinnen Linda-Maria Vietz mit ihrer Schäferhündin Alaska und Stefanie Schink mit der Bordercollie-Dame Zazou wechseln sich mit den Therapiestunden ab. Wenn die Hunde auf die Station kommen, werden sie schon freudig begrüßt. Manche Patienten gehen fröhlich und beherzt auf das Tier zu, kraulen und knuddeln es, andere sind eher vorsichtig und werden von den Therapeuten ermuntert. Alle sind konzentriert bei der Sache und freuen sich über die zutraulichen Tiere und ihre Kunststücke.

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Neben der Interaktion mit den Tieren, sprechen die Teilnehmer auch viel über die eigenen Erfahrungen mit Haustieren und blühen dabei regelrecht auf. Therapiehunde helfen tierlieben Patienten in schweren Lebenssituationen. Die Beschäftigung mit den Tieren muntert auf, lenkt ab, tröstet und bringt Freude ins Herz. Sorgen, körperliche Beschwerden und Angst können für eine Weile in den Hintergrund rücken. Hunde haben ein gutes Gespür für den emotionalen Status des Gegenübers, begegnen ihm wertfrei und offen. Sie sind empfänglich für die Aufmerksamkeit und Freundlichkeit, die ihnen entgegengebracht wird und erwidern diese bereitwillig. So erobern sie natürlich leicht die Herzen der Patienten.

Zazou soll sich ihr Leckerli aus einem tiefen Becher angeln, den Frau Preinl ihr hinhält. Foto: Kreiskrankenhaus Frankenberg

In der Klinik für Geriatrie am Kreiskrankenhaus Frankenberg werden multimorbide Patienten ab 70 Jahren akutmedizinisch versorgt. Daneben geht es im Rahmen der Frührehabilitation von Senioren um die Förderung der Interaktivität, der Mobilität und der Motivation, um sie gleichzeitig auf eine Rückkehr in den Alltag vorzubereiten. Aktivierende Pflege, Physio-, Ergotherapie, Logopädie und Psychologie sorgen dafür, dass die Patienten im Rahmen ihrer alters- und krankheitsbedingten Möglichkeiten ihre Selbständigkeit erhalten oder wiedererlangen.

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Mit dem zusätzlichen Einsatz der Therapiehunde gibt es eine weitere Option, die Patienten zu motivieren, zu mobilisieren und aufzumuntern, insbesondere, wenn sie durch ihre Erkrankung und den notwendigen Klinikaufenthalt bedrückt oder ängstlich sind. „Die positive Wirkung auf die Psyche lässt sich sogar messen: Blutdruck und Herzfrequenz werden gesenkt, der Kreislauf stabilisiert. Die Aktivierung des parasymphatischen Nervensystems (der Teil, der für Entspannung zuständig ist) führt zur Lockerung der Muskulatur und kann bei Patienten sogar Spastiken verringern. Nicht zuletzt werden körpereigene Endorphine ausgeschüttet, die entspannend, antidepressiv und schmerzlindernd wirken.“, berichtet der Chefarzt der Klinik für Geriatrie, Dr. Steffen Schlee. Im Spiel mit dem Hund wird die Grob- und Feinmotorik trainiert. Bei Sprachstörungen, z.B. bei Schlaganfall-Patienten kann die Hemmschwelle zum Sprechen, bei der Kommunikation mit dem Tier überwunden werden. Die Begegnungen mit den Hunden fördert auch die Kommunikation der Patienten untereinander und wirkt damit lange über die eigentliche Therapiestunde hinaus. Bei Patienten mit demenziellen Krankheitsbildern kann ein Therapiehund den Zugang zum Bewusstsein erleichtern, insbesondere, wenn Tiere in Kindheit- und Jugend eine wichtige Rolle gespielt haben. Sind Sprache und Gedächtnis durch die Erkrankung eingeschränkt, ist es für den Patienten entlastend, über andere Wege als die Sprache mit dem Hund kommunizieren zu können. Das Angebot ist in Einzelsitzungen und Kleingruppen möglich. Die Therapie findet selbstverständlich nur auf Wunsch des Patienten statt, vorausgesetzt der behandelnde Arzt stimmt zu. Um den Hygienestandards des Kreiskrankenhauses zu genügen, wurde ein separater Hygieneplan aufgestellt. So finden die Therapien in Räumen statt, die nach dem Besuch gereinigt und desinfiziert werden. Ebenso wird auf die Handhygiene besonders geachtet.

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Die Therapiehunde und ihre Führerinnen im Kreiskrankenhaus
Im Kreiskrankenhaus gibt es derzeit zwei Therapiehunde. Die dreijährige weiße Schweizer Schäferhündin Alaska und ihre Kollegin Border-Collie-Hündin Zazou haben mit ihren Besitzerinnen Linda-Maria Vietz und Stefanie Schink bereits 2016 bis 2017 die offizielle Ausbildung als Therapiebegleithund absolviert. Frau Schink ist wie Frau Vietz in der Verwaltung im Kreiskrankenhaus tätig. Beide haben eine Trainerausbildung für den Hundesport absolviert und trainieren ehrenamtlich im Hundesportverein Ederbergland e.V. Die Ausbildung zum Therapiebegleithunde-Team nach der Steinfurter Pädagogik/- Therapiebegleithundemethode ist zeitaufwendig und umfasst 100 Stunden. Im September wurden beide Teams rezertifiziert, wobei die Hunde auch einem Wesenstest unterzogen wurden.

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