Lieber arbeitsloser Architekt als Handwerker

Auszubildende, Betriebe und Lehrer diskutierten angeregt – auf dem Podium und mit dem Publikum. Hintere Reihe von links: Moderator Tobias Fenneker, Hans-Werner Luckey (Geschäftsleitung Metallbau Luckey), Alfons Hagemeister (Geschäftsführer Hubert Niewels GmbH), Martin Amedick (Vater, Ausbildungsakquisiteur des Kreises Paderborn). Vordere Reihe von links: Paul Jonas Becker, Gianluca d´Oria (beide Schüler der Gesamtschule Elsen), Philip Amedick (Auszubildender) und Dr. Joachim Gerd Ulrich (Referent) Foto: Kreis Paderborn, Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Meike Delang

Vortrag des Kreises Paderborn über Probleme bei der Ausbildungssuche

Kreis Paderborn(krpb). „Leider gilt in Deutschland immer noch: Im Zweifel lieber ein arbeitsloser Architekt, als ein gefragter, gut bezahlter Heizungstechniker“, erklärt Dr. Joachim Ulrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Auf Einladung des Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) des Kreises Paderborn hielt er nun einen Vortrag über Probleme auf dem Ausbildungsmarkt. Über 100 Zuhörerinnen und Zuhörer – Eltern, Schüler, Lehrer und Vertreter von Betrieben – drängten sich dicht an dicht im Berufskolleg Schloß Neuhaus, um mehr darüber zu erfahren, wie Jugendliche den richtigen Start ins Berufsleben finden.

Werbung

Jedes Jahr bleiben Ausbildungsstellen unbesetzt, weil Betriebe keine passenden Auszubildenden finden. Gleichzeitig suchen zahlreiche Jugendliche vergeblich eine Ausbildungsstelle. „Angesichts dieser Diskrepanz wollten wir mit der Veranstaltung den Fragen nachgehen, warum sich Jugendliche für beziehungsweise gegen bestimmte Berufe oder Bildungswege entscheiden, und was ihre Entscheidung beeinflusst“, erklärt Petra Münstermann vom Kreis Paderborn. Den interessierten Zuhörern erläuterte der Experte Ulrich anschaulich, dass über die Berufswahl nicht in erster Linie die Interessen der Schülerinnen und Schüler entscheiden, sondern das Prestige des ausgesuchten Berufes in der Gesellschaft.

„Es fehlt die Wertschätzung für Berufe wie Bäcker oder Metzger in der Gesellschaft und im sozialen Umfeld der Schülerinnen und Schüler“, resümiert Ulrich. Ein Eindruck, der von Manfred Göke, Lehrer an der Gesamtschule Delbrück, bei der anschließenden Podiumsdiskussion geteilt wird. Er beobachtet, dass bereits bei der Praktikumssuche die Schüler vom Elternhaus so beeinflusst werden, dass es den Lehrern schwerfallen würde, das Interesse der Jugendlichen für Alternativen zu wecken. Dabei haben sich mit der fortschreitenden Technologisierung und Digitalisierung viele Berufsbilder verändert. „Es gibt heute andere Tätigkeitsfelder und neue Arbeitsweisen, die vielen Eltern nicht bekannt sind, und sie dementsprechend falsche Vorstellungen über die Berufe haben“, plädiert er für mehr Offenheit bei der Berufswahl.

Werbung

Zu Wort kamen auch Betriebe und Auszubildende, die ihren Blick auf die Situation erklärten. „Wir sind manchmal ratlos, wenn es darum geht unsere Ausbildungsplätze zu besetzen“, gibt Hans-Werner Luckey von Metallbau Luckey unumwunden zu. Neben dem Image des Berufes, so der Unternehmer, spiele auch das Image des Betriebes eine große Rolle. Jugendliche bewerben sich lieber bei großen, bekannten Firmen in einer Region. „Dabei bieten auch kleinere Unternehmen gute Ausbildungsbedingungen und Aufstiegsmöglichkeiten. Aber wir müssen uns bei den Schülern bekannter machen“, erklärt Luckey. Damit stieß er beim Auszubildenden Philip Amedick auf große Zustimmung. „Bei uns Jugendlichen gibt es ein Informationsdefizit. Wir wissen nicht, welche Ausbildungsberufe es alle gibt“, so der 20-Jährige. Um dies zu ändern, engagiert sich Amedick als Ausbildungsbotschafter. Bei diesem Projekt der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen und der Handwerkskammer Ostwestfalen klären Auszubildende in den Schulen über ihre Berufe auf und schildern ihren Berufsalltag.

Werbung
Für Eder-Dampfradio   Danke

Bei der lebhaften Diskussion wurden auch Wünsche und Vorschläge erarbeitet. „Wir nehmen aus der Veranstaltung mit, dass wir neue Berufsbilder stärker bekannt machen und auch die Elternarbeit weiter verstärken müssen. Außerdem sollte bereits in den Grundschulen die Wertschätzung von handwerklichen Berufen gefördert werden“, erklärt Petra Münstermann, die beim BIZ zuständig ist für den Bereich „Übergang Schule-Beruf“.

Related posts

Leave a Comment