Zukunft der Verwaltungsarbeit liegt nicht nur am Schreibtisch

Auszubildende des Kreises Paderborn beschäftigten sich mit „Mobiler Arbeit“

Kreis Paderborn(krpb). Die Digitalisierung der Verwaltungen wird das Leben der Bürger erheblich vereinfachen: keine langen Wartezeiten mehr auf den Ämtern, keine Gehetze nach der Arbeit, um noch schnell Unterlagen abzugeben, und statt Anträge auf Papier per Hand auszufüllen geht alles am Computer. Doch wie sieht es auf der anderen Seite des Schreibtisches aus? Wie wird die Digitalisierung das Arbeiten in den Behörden verändern? Mit dieser Frage haben sich nun Inspektoranwärterinnen und -anwärter des Kreises Paderborn in ihrem diesjährigen Praxisprojekt beschäftigt.

„Neue Arbeitsformen sind für uns kein Zukunfts-, sondern ein Gegenwartsthema“, unterstreicht Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi. Der Fachkräftemangel hat auch die Verwaltungen bereits erreicht. Deshalb müssen die Behörden – trotz starker Konkurrenz der Wirtschaft – zeigen, dass sie für Arbeitnehmer bereits heute ein attraktiver Arbeitgeber sind. Gleichzeitig gilt es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern, damit junge Eltern oder Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen nicht für längere Zeit ausfallen. „Die Digitalisierung ist beim Kreis Paderborn als digitale Modelregion bereits weit vorangeschritten und nimmt immer weiter an Fahrt auf. Das erlaubt uns, in naher Zukunft das Arbeiten für unsere Mitarbeiter noch flexibler zu gestalten“, so Conradi.

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„Mobiles Arbeiten“ lautet der Titel des Praxisprojektes, dass die zukünftigen Inspektoren an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW unter der Leitung von Prof. Dr. Christopher Zeiss von der Fachhochschule und Dr. Sebastian Piecha, Datenschutzbeauftragter beim Kreis Paderborn, erarbeiteten. Sie stellten heraus, dass, wenn der Digitalisierungsprozess in der Verwaltung abgeschlossen und die Papierakte der Vergangenheit gehören wird, der Arbeitsplatz eines Mitarbeiters sich nicht länger mehr auf den Schreibtisch in seinem Büro beschränken wird. „Prinzipiell könnte jeder Ort zum Büro benutzt werden“, erklärt Dr. Piecha. Rund 81 Prozent der Mitarbeiter des Kreises Paderborn, so haben es die Projektmitarbeiter durch eine Befragung herausgefunden, wünschen sich, mobil arbeiten zu können. Die Betreuung eines Kindes oder eines hilfebedürftigen Angehörigen gehören dabei zu den Hauptgründen. Viele der Befragten können sich vorstellen, ein oder zwei Tage in der Woche so zu arbeiten und in der restlichen Arbeitszeit wieder ihren vertrauten Schreibtisch in der Kreisverwaltung einzunehmen.

Welche arbeits- und datenschutzrechtlichen Fragen bei solchen modernen Arbeitsformen beachtet werden müssen, damit haben sich die Auszubildenden in ihrer Projektarbeit beschäftigt. „Es reicht, dass die Person hinter ihnen im Zug den Bildschirm ihren Laptop sehen kann, um unbemerkt geschützte Daten weiterzugeben und damit gegen den Datenschutz zu verstoßen“, verdeutlicht Datenschützer Piecha die möglichen Gefahren des grenzenlosen Arbeitens. Noch sind die technischen Voraussetzungen um die Konzepte des Kreis-Nachwuchses umzusetzen nicht vollständig in allen Ämtern vorhanden. Doch die elektronische Akte wird in den nächsten Jahren flächendeckend in Paderborn einziehen und dem Kreis und seinen Mitarbeitern neu Chancen eröffnen. Kreisdirektor Ulrich Conradi dankt den Projektbeteiligten herzlich: „Ihr Arbeit hilft uns, den Wünschen der Mitarbeitenden nach mobilem Arbeiten besser entsprechen zu können.“

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