Gebäudereinigerinnen wehren sich gegen Griff ins Portemonnaie

Müssen ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen: Reinigungskräfte. Wer nur einen Teilzeitjob hat, soll künftig keinen Zuschlag bei Überstunden bekommen. So wollen es die Arbeitgeber. Die Gebäudereiniger- Gewerkschaft IG BAU hält dagegen: „Das ist der Griff ins Portemonnaie von Menschen, die hart arbeiten und ohnehin wenig verdienen.“

Arbeitgeber wollen keine Überstunden-Zuschläge bezahlen

Waldeck-Frankenberg(pm). Von der Arbeitszeit bis zu den Urlaubstagen – alles geregelt. Bislang jedenfalls. Jetzt aber wird der Job für die Reinigungskräfte im Landkreis Waldeck-Frankenberg zur
„Wackelpartie“. Denn die Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag gekündigt. Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU kritisiert das scharf: „Die Reinigungskräfte hängen damit völlig in der Luft. Die Reinigungsfirmen können ihnen quasi freihändig Urlaubstage streichen und zusätzliche Arbeitszeiten aufs Auge drücken“, sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Nordhessen, Klaus Michalak.

Die Kündigung des Manteltarifvertrages sei „eine Provokation und ein Schlag ins Gesicht aller
Beschäftigten, die in der Gebäudereinigung arbeiten“. Die IG BAU nennt die Hintergründe: „Die Arbeitgeber wollen bei den Überstunden Geld sparen – insbesondere bei Teilzeitkräften. Dahinter steckt also der pure ‚Lohn-Geiz‘“, so Michalak. Denn der bisherige Rahmentarifvertrag sehe bei Mehrarbeit für Vollzeit- Beschäftigte einen Zuschlag von 25 Prozent des Stundenlohns vor. Nachdem das Bundesarbeitsgericht nun entschieden habe, dass auch Teilzeit-Beschäftigte Anspruch auf diesen Zuschlag haben, sei die Absicht der Arbeitgeber klar: „Sie wollen bei den Zuschlägen knapsen. Genau genommen ist das der Griff ins Portemonnaie von Teilzeitkräften. Es trifft also die Menschen, die ohnehin schon wenig haben und extrem hart für ihr Geld arbeiten müssen“, sagt Klaus Michalak verärgert. Überstunden seien in der Gebäudereinigung an der Tagesordnung und Teilzeitjobs gang und gäbe.

Zwischen Gebäudereiniger-Gewerkschaft und Bundesinnungsverband rumort es seit langem, so die IG BAU Nordhessen. „Die Arbeitgeber weigern sich seit Monaten beharrlich, über bessere Arbeitsbedingungen in der Branche zu verhandeln. Und das sogar bei steigenden Jahresumsätzen von bundesweit zuletzt mehr als 17 Milliarden Euro“, so Klaus Michalak. Nach der Kündigung des Rahmentarifvertrags erwartet die IG BAU Nordhessen nun „extremen Unmut unter den Beschäftigten – auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg“. Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft pocht beim Bundesinnungsverband schon lange darauf, konstruktive Gespräche zu führen: „Die Beschäftigten verlangen mehr Anerkennung für ihre harte Arbeit. Dazu gehört auch, dass Fachkräfte richtig bezahlt,
Berufserfahrung honoriert und die Aufstiegschancen verbessert werden – genauso wie
die generelle Einführung von Weihnachtsgeld“, so Michalak.

Außerdem müssten die belohnt werden, die der Gebäudereinigung über Jahre hinweg die Treue halten. Wer sich durch langjährige Arbeit in der Branche einen Urlaubsanspruch von 30 Tagen erworben habe, der soll ihn auch dann behalten, wenn der Arbeitgeber einmal wechsele, fordert die IG BAU. Nur so lasse sich die hohe Fluktuation durch das Abwandern von Fachkräften und damit der Verlust von Branchen- Know-how stoppen. „Die Arbeitgeber haben dies aber bislang strikt abgelehnt. Sie erkennen nicht, wie wichtig es ist, die Jobs in der Reinigung deutlich attraktiver zu machen“, sagt Klaus Michalak. Im Gegenteil: Durch die Kündigung des Rahmentarifvertrags verschlechtere sich die Stimmung im Gebäudereiniger-Handwerk jetzt erst richtig. „Die Unternehmer riskieren viel. Sie sägen am eigenen Ast, indem sie faire Rahmenbedingungen für die Arbeit und damit das Vertrauen und den Teamgeist aufs Spiel setzen“, so der IG BAU Bezirksvorsitzende. Die Friedenspflicht zwischen IG BAU und Innungsverband endet am 31. Juli. „Bis dahin wird die Wut der Beschäftigten weiter wachsen. Sie werden ihrem Ärger bei betrieblichen und öffentlichen Aktionen in den nächsten Wochen Luft machen – auch im Kreis Waldeck-Frankenberg“, kündigt Michalak an.

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