Biber dringt in den Main-Taunus-Kreis vor

Biber Foto:Klaus Hentschel

NABU Hessen freut sich über die Sichtung eines jungen Bibers

Wetzlar(pm). Beim Morgenspaziergang mit offenen Augen unterwegs sein lohnt sich, – im Main-Taunus-Kreis jetzt umso mehr! Morgens um 6:45 ist am 03.05.2019 einer aufmerksamen Beobachterin eine Serie von Fotos eines Bibers im Schwarzbach gelungen. Damit ist der Biber nachweislich in den Main-Taunus-Kreis vorgedrungen. „Auf den Fotos lässt sich anhand der Körperhaltung gut erkennen, dass es sich um ein junges Tier handelt, das vermutlich gerade erst aus dem Revier seiner Eltern abgewandert ist. Ein großer Gewinn für die Natur“, freut sich Mark Harthun, Biologe und Biberexperte beim NABU Hessen. Durch den Bau von Biberdämmen, die Anlage von Biberseen, die Initiierung von Uferabbrüchen und Totholz schafft der Biber neue Strukturen im Auenbereich. Diese kommen vielen anderen Tieren zugute. So profitieren Fische, Libellen, Frösche und Kröten von den neu geschaffenen Teichen und Feuchtgebieten. Wasservögel oder der Schwarzstorch können hier Nahrung finden. In Uferabbrüchen nisten Eisvögel, in abgestorbenen Uferbäumen Spechte oder die Weidenmeise. Die Artenvielfalt in Biber-Lebensräumen nehme deutlich zu. Damit würden die Auen auch erlebnisreicher für den Menschen, so Harthun. „Der Biber renaturiert uns die Gewässer billiger als jede Firma, wenn man ihn nur lässt“, so Harthun.

Der Biber war lange Zeit in Hessen verschwunden. Die letzten Tiere gab es im Jahr 1596 in Stockstadt an der Gersprenz und 1684 an der Werra. In den Jahren 1987 und 1988 gab es eine Wiederansiedlung von 18 Tieren im hessischen Spessart. Inzwischen leben 700 Tiere in Hessen (Stand 2017), vor allem an der Kinzig, der Fulda und in der Wetterau. In der Vergangenheit gab es bereits Beobachtungen von Bibern im Main nahe der Eddersheimer Staustufe, so Michael Orf von der Unteren Naturschutzbehörde. Anhand dieser aktuellen Fotoserie lässt sich allerdings deutlich belegen, dass der Biber nun in den Main-Taunus-Kreis vorgedrungen ist. Verschwunden war der Biber nicht durch den Verlust seines Lebensraums, wie viele andere Arten. Entscheidend war die Bejagung. Man stellte dem Nager nach wegen seines weichen Fells, des Fleisches und einer Drüse mit „Bibergeil“, das aufgrund der enthaltenen Salizylsäure (ähnlich Aspirin) als Universalheilmittel eingesetzt wurde. Mit seinem geschuppten Schwanz galt er als „Fisch“ und wurde deshalb in der Fastenzeit gerne verzehrt.

Um die Rückkehr des Bibers zu unterstützen und seltene Tiere und Pflanzen der Auen besser zu schützen, fordert der NABU Hessen vom Land ein professionelles Bibermanagement. Wichtigster Teil dabei wäre ein Landesprogramm zur Einrichtung von Gewässer-Entwicklungsstreifen an den Fließgewässern. Solche ungenutzten Uferstreifen beugen nicht nur Konflikten mit dem Biber vor. Gleichzeitig dienen diese Uferstreifen dem Hochwasser- und Erosionsschutz. Sie puffern den Eintrag von Dünger und Spritzgiften ab und sorgen für sauberes Wasser. „Das wäre Hilfe zur Selbsthilfe“, so Harthun, weil sich die Gewässer dann weitgehend selbst, ohne große Bagger-Maßnahmen, wieder natürlich entwickeln können.

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