Romance-Scamming – Frau wird um 140.000,- Euro betrogen

Symbolbild Scamming:Pixabay - Foto:geralt -

Homberg (ots). Gestern Abend hat eine Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis eine Anzeige wegen Betruges bei der Polizei erstattet. Sie wurde Opfer von
Romance-Scamming. Ein kurzer Chat oder eine nette Mail von einem Unbekannten – das so genannte Love- oder Romance-Scamming fängt harmlos an. Harmlos hat es auch bei einer Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis angefangen. Über das Datingportal “lovoo.com” lernte sie bereits 2015 einen Mann aus dem Ausland kennen. Mit ihm hatte sie sich über WhatsApp und per E-Mail geschrieben. Auch über Skype wurde miteinander kommuniziert. Im Laufe der Zeit erwarb der Mann das Vertrauen des späteren Opfers.


Irgendwann gab der Mann an, dass er sich in Geldnot befinden würde
und brachte das Opfer letztendlich dazu, zwei Auslandsüberweisungen
in einer Gesamthöhe von 140.000,- Euro zu veranlassen. Nachdem sie
den Betrug bemerkte, erstattete sie Anzeige bei der Polizei. Um nicht Opfer dieser Masche zu werden gibt die Polizei folgende Informationen zum Thema “Romance-Scamming”:

Scammer suchen auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen
Netzwerken wie Instagram, Snapchat oder Facebook nach Opfern und
durchforsten dort die Mitgliederlisten. Eine kurze Online-Einladung
zum Chat dient vielen als Erstkontakt. Um sich beim potenziellen
Opfer interessant zu machen, legen sich die Scammer ungewöhnliche
Lebensgeschichten zu – und sie hinterlassen immer einen seriösen
Eindruck.

Sowohl Scam-Männer als auch Scam-Frauen schaffen es, sich im
täglichen Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen – und zwar ohne
ein einziges Treffen. Auf eine romantische Mail am Morgen folgt ein
kurzes Telefonat am Mittag, nach Feierabend wird gechattet oder
stundenlang telefoniert. Bei den Gesprächen geht es zu Beginn
keineswegs um Geld, sondern um den Beruf, die Familie sowie um Liebe
und eine gemeinsame Zukunft. Oft werden Geschichten über verstorbene
Ehepartner und Kinder aufgetischt. Wenn die Scammer nicht schon dort
sind, dann müssen sie dringend geschäftlich oder aus familiären
Gründen nach Westafrika. Dabei versprechen die Betrüger, dass sie
ihre neue Liebe danach besuchen werden. Doch bevor oder kurz nachdem
das Ticket nach Deutschland gebucht wird, gibt es Schwierigkeiten:
Überfälle, gestohlene oder konfiszierte Pässe, ein
Krankenhausaufenthalt nach einem Autounfall oder Probleme mit
Kreditkarten. Die Opfer werden gebeten, per Bargeldtransfer (z.B.
Western Union oder MoneyGram) Geld zu senden. Die Liebe wird in
solchen Bettelmails immer stark hervorgehoben. Manchmal werden Opfer
von einem “Arzt”, einem “Polizisten” oder “Angehörigen” kontaktiert,
der noch mehr Druck auf das Opfer ausüben soll. Das geht oft so weit,
dass die Scammer ihren Selbstmord ankündigen – nur um an das Geld zu
kommen.

Tipps der Polizei:

  • Geben Sie den Namen Ihres / Ihrer Internetbekanntschaft mit dem
    Zusatz “Scammer” beispielsweise bei Google ein. Die Suchmaschine kann in vielen Fällen einen Verdacht bestätigen. Falls Sie ein Bild
    mitgeschickt bekommen haben, können Sie mithilfe der umgekehrten
    Bildersuche zusätzliche Informationen zu dem Bild erhalten. Es ist
    außerdem sinnvoll, dass Sie für Online-Kontaktbörsen oder für den
    digitalen Schriftverkehr mit einem Unbekannten eine alternative
    E-Mail-Adresse benutzen. So können Sie verhindern, dass Sie im Fall
    eines Betrugs Ihren Hauptmailaccount löschen müssen.
  • Wenn sie gescammt wurden brechen sie sofort jeglichen Kontakt
    ab. Keine Mails, keine Anrufe des Scammers mehr entgegennehmen. Am besten ist es, sich eine neue Mailadresse und Telefonnummer
    zuzulegen. Gefahr besteht auch für Freunde im sozialen Netzwerk und für alle Kontakte im eigenen Mailadressbuch. Denn die Täter schicken mit ihren Mails meistens auch einen Computervirus mit. Dieser scannt die Daten im Mailadressbuch und erlaubt auch sonst eine Kontrolle über den Rechner ihrer Opfer.
  • Nicht auf Forderungen des Scammers eingehen. Auf keinen Fall
    Geld überweisen, Schecks einlösen oder Briefe und Päckchen
    weiterleiten – und auch nicht aufbewahren. Geleistete Zahlungen, wenn noch möglich, sofort rückgängig machen.
  • Speichern Sie alle Mails und Chat-Texte als Beweis auf einem
    Speichermedium wie beispielsweise Ihrem bevorzugten Cloud-Dienst,
    einer externen Festplatte, einem USB-Stick oder einer CD-ROM ab.
    Heben Sie Überweisungsbelege usw. auf. Wenn Sie es nicht selbst
    können, dann lassen Sie sich von computererfahrenen Bekannten und Freunden den so genannten E-Mail-Header auslesen. Daran erkennen Sie, woher die Mail geschickt wurde. Selbsthilfeseiten im Internet erklären Ihnen ebenfalls, wie Sie sich vor größerem Schaden schützen können.
  • Gehen Sie zur Polizei. Die Strafverfolgung solcher Täter ist
    zwar enorm schwierig, weil sie aus dem Ausland agieren. Dennoch
    sollten Sie den Vorfall auf jeden Fall melden. Das ist besonders
    wichtig, wenn beispielsweise Banken strafrechtliche Schritte gegen
    Opfer unternehmen wollen, die unwissentlich gefälschte Schecks
    eingereicht haben.

Related posts

Leave a Comment