Bildungschancen dürfen nicht regional unterschiedlich verteilt sein und von Herkunft und Wohnort abhängen

MdL Daniela Neuschäfer(SPD): Bildungschancen dürfen nicht regional unterschiedlich verteilt sein und von Herkunft und Wohnort abhängen

Wiesbaden/Frankenberg(nh). Der neueste „Chancenspiegel“ der Bertelsmann-Stiftung bescheinigt dem hessischen Schulsystem nur Mittelmäßigkeit. Hessen schneide bei Bildungsgerechtigkeit nur minimal besser ab als in den Vorjahren, habe aber weiterhin gravierende Defizite, die behoben werden müssten. „Der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss ist nicht hinnehmbar. Wenn in manchen Regionen an den Schulen jeder zehnte Schüler nicht zum Hauptschulabschluss geführt wird, ist das eine Bankrotterklärung der Landesregierung,“ so die heimische Abgeordnete Dr. Daniela Neuschäfer (SPD) Donnerstag in Wiesbaden.

Hessen weise mit 3,2 Prozent die bundesweit höchste Quote von Sitzenbleibern in der Sekundarstufe I und II auf. Das zeige einmal mehr, dass die notwendige Förderung in Hessen vielerorts fehle und zu viele Schülerinnen und Schüler die Misserfolgserfahrung der Klassenwiederholung sammelten. Bei den Schulwechslern liege Hessen mit Bayer an der Spitze: Insgesamt 415 Aufwärtswechseln in eine vermeintlich höhere Schulart standen 3.176 Abwärtswechsel gegenüber, mit einer erheblichen regionalen Spreizung. Aus Sicht der SPD sorge gerade die Zersplitterung des hessischen Schulsystems dafür, dass Chancengleichheit nicht mehr gegeben sei. Es müsse mehr Schulen geben, die alle Bildungsgänge bis zum Abitur anbieten, gerade vor dem Hintergrund demografischer Entwicklung. Die Schulangebotsstruktur müsse daher auf den Prüfstand. Statt das breite institutionelle Schulspektrum auszubauen, sei eine Verschlankung notwendig sowie der Ausbau der individuellen Fördersysteme und der gebundenen Ganztagsschulen. Die vordergründig wohlklingenden Zahlen bei den ganztägigen Angeboten seien zu hinterfragen. Das, was die Landesregierung anbiete, sei nicht mit den vom Chancenspiegel geforderten ‚echten‘ Ganztagsschulen zu vergleichen, gerade im Grundschulbereich.
Erhebliche regionale Unterschiede existierten vor allem auch beim Wechsel von der Grundschule auf ein Gymnasium. Je Region liege der Anteil zwischen 32,4 und 63,3 Prozent, was aus den regionalen Schulangeboten resultiere. Trotzdem müsse die regionale Benachteiligung, die mit sozialer Herkunft einhergehe, untersucht werden. „Wenn in manchen Regionen nicht mehr alle Bildungsgänge in erreichbarer Nähe sind, ist das ein Problem. Im hessischen Schulsystem sind die Bildungschancen regional unterschiedlich verteilt, das darf nicht sein, “ so die SPD-Abgeordnete. Das Schulangebot sei in Ballungsgebieten und im ländlichen Raum unterschiedlich ausgeprägt. In der Studie wird aufgezeigt, dass im Norden des Landes weniger Schüler auf ein Gymnasium als im Süden gehen. Dies liege u. a. daran, dass es im ländlichen Raum durchschnittlich weniger Gymnasien gebe. Hinzukomme, dass das Schulangebot am Wohnort das Schulwahlverhalten von Schülern und Eltern beeinflusse. Die Bildungswissenschaftler sehen Handlungsbedarf in Hinblick auf einen flächendeckenden Ausbau aller Schulformen, da sich sonst soziale Unterschiede zementieren könnten. Gleiches gilt für Dr. Daniela Neuschäfer auch für alle anderen Bereiche im ländlichen Raum wie Infrastruktur, Daseinsvorsorge etc.: „Der ländliche Raum darf nicht abgehängt werden – es braucht auch hier einen flächendeckenden Ausbau, um auch in anderen Bereichen Chancengleichheit gewährleisten zu können!“
„Die Verwirklichung von Chancengleichheit im Bildungsbereich bedarf neben der fachlichen Auseinandersetzung auch der Bereitstellung von zusätzlichen Ressourcen. Dazu ist die Landesregierung leider nicht bereit. Das Schulsystem ist ungerecht und ein Gegensteuern dringend erforderlich. Wir brauchen echte Ganztagsschulen, mehr individuelle Förderung und einen Ausbau der Schulsozialarbeit“, forderte Neuschäfer abschließend.

Related posts

Leave a Comment