Alte Wälder schützen!

Foto: NABU  B. Langenhorst/nh

NABU Hessen fordert Deckelung des Holzeinschlags im Staatswald

Wetzlar(nh/od). Angesichts zunehmender Beschwerden über radikale Holzeinschläge in Altholzbeständen fordert der NABU Hessen Konsequenzen von der neuen Landesregierung. „Ein Buchenwald ist kein Holzacker“, so der Landesvorsitzende Gerhard Eppler. Der NABU fordert daher anlässlich des Internationalen Tag des Waldes am 21. März eine Abkehr von der aktuellen Forst-Strategie einer „raschen Verjüngung“. Künftig solle die Einschlagsmenge in den Beständen bei der Nutzungsplanung auf höchstens 30 Prozent des Holzvorrats begrenzt werden.

 

Wenn man in der 10-jährigen Forstbewirtschaftungsperiode nur 30 Prozent des Vorrats abholzen dürfte, würde die Erntezeit zeitlich gestreckt und sich das Problem entspannen. Nur so könne eine Abkehr vom Altersklassenwald zum Dauerwald vollzogen werden. In Baden-Württemberg hat der Landesbetrieb Forst bereits im letzten Oktober eine Anordnung zur Beschränkung auf die 30-Prozent-Ernte getroffen. Hessen müsse nun folgen, so der NABU. Es dürfe sich als waldreichstes Bundesland nicht seiner Verantwortung entziehen, gibt Eppler zu bedenken.
Zunehmend zeige sich ein Trend, die Altholzbestände innerhalb von nur 20 Jahren fast vollständig abzuräumen. „Aktuell ist nur der Kahlschlag einer Waldfläche verboten. Doch die aktuelle forstliche Praxis ist kaum besser als Kahlschlag“, mahnt Eppler. Wenn 60 Prozent eines Waldbestands innerhalb kürzester Zeit gefällt würden, sei das nach der momentanen Gesetzeslage absolut legal. Aufgrund der laschen Regelung würden in den alten Beständen mehr Bäume abgeräumt als der Wald mit seinem natürlichen Wachstum ausgleichen könne, fasst der NABU die Problematik zusammen. Nach aktuellen Zahlen der Hessischen Landesregierung werde in alten Laubwäldern über 140 Jahren rund ein Drittel mehr geschlagen als nachwachse. Einer Ernte von 379.361 Vorrats-Festmetern pro Jahr stehe nur ein Zuwachs von 243.621 Vorrats-Festmetern gegenüber. Im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung wurde deshalb auch der „Schutz alter Buchenwälder“ als Ziel festgeschrieben.
Buchen bieten jedoch seltenen Tier – und Pflanzenarten erst in der zweiten Hälfte ihres Lebens, also ab 180 Jahren, einen Lebensraum, erklärt der Biologe. „Die meisten Bäume verlassen jedoch den Wald wieder als Festmeter bevor sie überhaupt ein mittleres Alter erreicht haben! 200 oder 300 Jahre alte Buchen gibt es praktisch nicht“, so Gerhard Eppler. Nur ein alter Wald sei auch reich an anspruchsvollen Arten. So ist etwa die 2011 in Hessen neu entdeckte Nymphenfledermaus auf strukturreiche Laubwälder angewiesen, die älter als 160 Jahre sind.
Für Artenreichtum und natürliche Entwicklung sei es deshalb unabdingbar, eine größere Zahl alter Bäume in den Beständen zu erhalten. Insbesondere in Naturschutzgebieten und Europäischen Schutzgebieten sei die hohe Einschlagsmenge inakzeptabel. Es gebe bereits mehrere Beispiele in Hessen, wo es eine Verschlechterung der Schutzgebiete durch die forstwirtschaftliche Praxis gegeben habe, so Eppler. Eine nachhaltige Forstwirtschaft sei erst erreicht, wenn sie auch ein dauerhaftes Überleben der Tier- und Pflanzenarten der Buchenwälder sicherstellt. Alte Buchenwälder Mitteleuropas sind weltweit einzigartige Lebensräume mit enormer Artenvielfalt. In Deutschland existieren von ihnen jedoch nur noch Restbestände. 14 Vogelarten, 205 Pflanzenarten und 1284 Pilzarten sind in den deutschen Wäldern gefährdet. 76% der Wälder in Hessen sind öffentlicher Wald.

Foto: NABU B.Langenhorst/nh

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