Der Digitaler Spaltung des Handwerks entgegenwirken

Symbolbild

Projekt entwickelt Lernumgebung fĂĽr die Handwerker der Zukunft

Korbach/Kassel(nh). Das deutsche Handwerk steht in den kommenden Jahren vor tiefgreifenden Umbrüchen durch die Digitalisierung. Wissenschaftler der Universität Kassel entwickeln gemeinsam mit dem Berufsförderungswerk des Handwerks und weiteren Partnern Methoden, um Beschäftigte, Auszubildende und Wiedereinsteiger und damit die nordhessischen Unternehmen auf die Arbeitswelt der Zukunft vorzubereiten. Ziel ist es, zielgruppenspezifische Weiterbildungsangebote für eine Reihe von Kompetenzen zu entwickeln: Das reicht vom Umgang mit bestimmten Web-Tools im Handwerk bis zum Einsatz des „Internets der Dinge“ oder neuartiger Produktionsmöglichkeiten wie etwa von 3D-Druckern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Europäische Sozialfonds finanzieren das Projekt mit dem Titel „FachWerk“ mit rund 1,3 Mio. Euro. Die Pilotphase für die Umsetzung in die Praxis soll Anfang 2019 im Berufsförderungswerk des Handwerks in Korbach starten. Das Auftakttreffen fand am 15. März an der Universität Kassel statt. Ein Team unter Leitung von Prof. Dr. Patrick Spieth, Leiter des Fachgebiets Technologie- und Innovationsmanagement an der Uni Kassel, erhebt in den kommenden Monaten in einer technologischen Vorausschau, welche digitalen Fertigkeiten in Zukunft gefragt sein werden.

Prof. Dr. Patrick Spieth Foto: privat

Parallel gleicht eine Arbeitsgruppe an der Universität Hannover den Schulungsbedarf von Handwerkerinnen und Handwerkern ab. Ein weiteres Team um Prof. Dr. Ludger Schmidt, Leiter des Kasseler Fachgebiets Mensch-Maschine-Systemtechnik, entwickelt darauf aufbauend eine multimediale Lernumgebung, die in der Ausbildung des Handwerker-Nachwuchses, in der Weiterbildung von Beschäftigten, aber ganz besonders auch in der Qualifizierung von arbeitslosen Handwerkern eingesetzt werden soll. Beteiligt sind neben der Universität Kassel und dem Berufsförderungswerk des Handwerks in Korbach auch die Universität Hannover (Prof. Dr. Steffi Robak), die Handwerkskammer Kassel, die Agentur für Arbeit Korbach sowie die Unternehmen Gringel Bau + Plan GmbH und Hübschmann Aufzüge GmbH&Co KG. „Das Handwerk hat den großen Digitalisierungs-Schub noch vor sich, in dem andere Branchen bereits stecken“, erklärt Prof. Spieth, Koordinator des Projekts. „Wir wollen mit unserem Vorhaben auch einer digitalen Spaltung im Handwerk entgegenwirken, durch die sonst insbesondere kleinere Bertriebe abgehängt werden könnten.“ Spieth sieht in der Digitalisierung für das Handwerk nicht nur Herausforderungen, sondern auch große Chancen: „Das geht hin bis zum Vertrieb neuer Angebote, etwa der Wartung von Technik, die in die Produkte eingebunden ist.“ Spieth verweist auf die besondere Bedeutung der Qualifizierungsmaßnahmen für Nordhessen: „Der demographische Wandel stellt die Betriebe in der Region vor besondere Herausforderungen, weil hier überdurchschnittlich viele Menschen älter als 50 Jahre sind. Das bedeutet, dass die Betriebe nicht automatisch in der Lage sind, digitales Knowhow über eine fortwährende Verjüngung der Belegschaft zu erwerben.“

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